Mit dem Rädchen unterwegs

Manchmal beneiden wir Läufer die Fahrradfahrer: während wir nur vorwärtskommen, wenn wir immerzu unsere Beine bewegen, können die Radler sich auch mal entspannen, während das Rad so vor sich hin rollt.

Wir wäre es, wenn wir das auch könnten? Ohne Anstrengung vorwärtskommen und dabei regenerieren.

Ich würde diesen Artikel nicht so angefangen haben, wenn es nicht ginge. Man stelle sich folgenden Ablauf vor:

  1. Die durch Schwerkraft (Neigung des Körpers nach vorne) erzeugte Vorwärtsbewegung zieht uns das leicht hinter dem Schwerpunkt aufgesetzte Standbein nach hinten weg.
  2. Durch das Wegziehen werden Bänder und Sehnen im Bereich Oberkörper - Becken - Hüfte - Knie gedehnt. Der Vorgang erinnert entfernt an das Spannen einer Bogensehne.
  3. Wir heben (zugegebenermaßen nicht ohne, sondern mit minimalem Kraftaufwand) den inzwischen weit hinter dem Schwerpunkt befindlichen Fuß des Standbeins kurz an, was ihm einen Impuls nach oben gibt.
  4. Während das vordere Bein zum Standbein geworden ist, ziehen sich die gedehnten Bänder und Sehnen zusammen, was das hintere Bein nach vorne schwingen und den zuvor leicht angehobenen Fuß einen Kreisbogen nach vorne beschreiben lässt.
  5. Der Fuß kann nun wiederum unter oder leicht hinter dem Schwerpunkt auf dem Boden aufgesetzt werden und der gesamte Vorgang beginnt von vorne.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass wir schon nach wenigen Metern straucheln würden, wenn unser jeweiliges Standbein uns nicht durch leichte Streckung des im Knie kaum abgewinkelten Beins immer in der gleichen Höhe halten würde. Diese Streckung benötigt allerdings im Vergleich zu einem kraft-basierenden Laufstil extrem wenig Energie und fühlt sich für den geübten Läufer fast schon reflektorisch an. Und Punkt 4 der Liste verbraucht nur minimale Energie, da die Muskeln für den Schwung des Beins nach vorne nicht benötigt werden.

Fazit: die durch Schwerkraft (Laufen ist kontrolliertes Fallen) und Expansion / Kontraktion der Bänder und Sehnen bewirkte Bewegung lässt den Fuß wie ein Rad drehen, was beim ChiRunning Laufstil "das Rad der Füße" genannt wird und wesentlichen Anteil an der energiesparenden Fortbewegungsweise hat. Ergänzt wird die Elastizität (das dynamische Strecken und Zusammenziehen der Sehnen und Bänder) noch durch die Rotation des Beckens, welche bei stärkerer Neigung (= größere Wirkung der Schwerkraft) den Schritt weiter und die in der selben Zeit zurückgelegte Strecke länger werden lässt = wir laufen schneller.

Ein prima Einführung in die Grundlagen des ChiRunning gibt es in diesem Video von David Stretanski auf YouTube (das Rad der Füße erscheint etwa ab 4:50 Min). Weiteres zum selben Thema gibts vom selben Autor im ChiRunning Certified Instructors Blog.

Keep on Rolling!

Weiter zum Blog-Artikel: Oops - verletzt!
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