Laufschuhtest: Luna Sandals

Bitte ebenfalls die aktuelle vergleichende Beurteilung aller hier getesteten Schuhe lesen!

 

Luna Sandals

Die Luna Sandals sind nur deshalb in diesem Test vetreten, weil ich mit ihnen laufe. Sie sind keine Laufschuhe, sondern sehr einfache Sandalen, und werden baugleich (aber mit anderen Materialien) von den Tarahumara Indianern im Norden Mexikos verwendet, und zwar zum ausdauernden Laufen über weit längere Strecken als die Marathondistanz(!).

  • Gewicht: ca 70g
  • Tragekomfort: der beste Vergleich führt über die Flipflops, da auch diese ihren Halt zwischen der großen und der zweiten Zehe finden, was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Anders als Flipflops haben die Luna Sandals unterhalb des Knöchels innen und außen noch ein Loch, durch das das (eine einzige) Befestigungsband läuft, weshalb dieses auch die Ferse umschließen kann und schließlich oberhalb des Knöchels um den Unterschenkel gewunden wird. Wenn man diese Bindung einige Male geübt hat und die Sandale dann auch nach einer Stunde noch gut am Fuß ist, kann man den Tragekomfort als gut bezeichnen. Eigentlich wäre er sehr gut, da alle Teile des Fußes völlig frei beweglich sind, aber das Band zwischen den Zehen kann ich nicht völlig "wegfühlen", und auf mich wirkt es ein wenig störend, wenn auch nicht unangenehm. Bei nassem Wetter rutscht die Sohle unter dem Fuß spürbar (wenn auch im Milimeterbereich) was ebenfalls ein wenig unangenehm ist. Dafür ist die Nässe auch in Sekunden wieder draußen, was bei geschlossenen Schuhen unmöglich ist. Wegen der Befestigung zwischen den Zehen kann man die Luna Sandals eigentlich nur barfuß tragen; einen Versuch mit Zehensocken habe ich noch nicht gemacht. Blasen holen ist jedoch auch unmöglich, sofern man die "initiale Hornhaut" zwischen den Zehen erworben hat.
    Nachtrag 08.10.2010: Blasen aufgrund von Reibung entstehen tatsächlich nicht. Läuft man aber sehr lange Distanzen, kann es durch den nahezu ungedämpften Aufprall des Fußes auf den Boden durchaus auch mal zu Blutblasen kommen. Ich habe dies nach Strecken über 35 km erlebt, bei denen es streckenweise auch mal schnell bergab ging, so dass der Fuß nicht mehr sehr sanft aufsetzte. Allerdings sind diese Blutblasen nach dem Abheilen nicht wiedergekommen.
  • Dämpfungseigenschaften: die Dämpfung ist - da die Sohle ein wenig dicker ist - sogar besser als die der FiveFingers, wobei Dämpfung der falsche Begriff ist. Man sollte das ganze nur als Schutz gegen spitze Steine bezeichnen. Jede weitere Dämpfung muss der eigene Laufstil leisten.
  • Langstreckeneignung: die Tarahumara Indianer legen mit diesen Sandalen extreme Distanzen zurück. Wir sind (im lauftechnischen Sinne leider) aber keine Tarahumara, und so sollte jeder selbst wissen, wie viele Kilometer er sich zutraut. Ich kann aus eigener Erfahrung nur dringend empfehlen, die Distanzen langsam zu steigern und dabei sehr genau darauf zu achten, wie sich der Laufstil ändert und wo sich ggf. eine Überlastung einstellt. Nach entsprechend langer Gewöhnung sind sicher auch Langstrecken möglich.
  • Wettkampfeignung: keine. Es sei denn, man ist Tarahumara oder fast genauso verrückt wie jene, die auch einen Marathon barfuß laufen (das ist aber noch schlimmer).
  • Untergründe: ebene Untergründe wie Asphalt oder feste Wald- oder Feldwege ohne hervorstehende Steine sind gut zu laufen. Bei unebenen Untergründen fällt das fehlende Profil der Sohle auf, was zum Teil durch das Anschmiegen der Sohle am Fuß ausgeglichen wird. Schmierige Böden sind nur mit guter Lauftechnik (kein Fersenaufsatz, nicht stark abdrücken) zu bewältigen; Schlamm zwischen der Sandalen- und der Fußsohle ist nicht zu verhindern und fühlt sich nicht gut an!
  • Haltbarkeit: was soll an diesen Schuhen kaputt gehen? Die Sohle stammt von der Firma Vibram und ist extrem haltbar, das Band ist schnell gegen ein anderes ausgetauscht (wie Schnürsenkelwechsel) und das war schon alles, was passieren kann. Sollten die Löcher nicht ausreißen, durch die das Band geführt wird, dürften die Luna Sandals ohne Probleme tausende KM ertragen. Anmerkung: nach ca. 850 km ist das hintere rechte Loch an der linken Sandale ausgerissen, wodurch das Lederband nur noch an zwei statt drei Punkten mit der Sandale verbunden werden konnte, was zur völligen Unbrauchbarkeit führte. Ich war über diesen Umstand doch ziemlich enttäuscht, zumal das Sohlenprofil so gut wie keine Abnutzung zeigte. Mag sein, dass ich mit der schmalsten Stelle der Banddurchführung auf einen scharfkantigen Stein getreten bin, aber auch das hätte mich nicht trösten können. Glücklicherweise gibt es ja im Web einige Selbstbau Anleitungen, und so habe ich die Nachfolger der Sandals aus einer Standard-Schuhsohle (erhältlich beim richtigen Schuhmacher und im Web) einfach selbst gebaut und die Stelle, an der die alte Sandale gerissen ist, einfach ein wenig stärker gelassen. Mal sehen, wie lange meine Selbstbau-Sandalen halten. Das Sohlenmaterial war jedenfalls mit ca. 10,- EUR nicht allzu teuer, und wenn meine Selbstbauten ebenfalls über 800 km halten, ist der Preis unschlagbar. Die Tarahumara bauen diese Sandalen aus (kostenlosen) alten Autoreifen, aber dieses Material wollte ich meiner zivilisierten Fußsohlenhaut nicht antun!
  • Besonderheiten: ich habe die Schuhe aus den USA bezogen. Der Preis inkl. Versand war mit ca. 68 USD (ca. 53 EUR) für ein bißchen Sohle, Leder- und Hanfbänder nicht gerade niedrig, was aber auch sicher an der manuellen Fertigung liegt. Der Anbieter hat aber auch deutlich günstigere (ca. 25 USD ohne Versand) Bausätze zum einfachen Selbstanfertigen im Programm, und wenn es nicht unbedingt eine Vibram Sohle sein muss, kann man sich die Sandale auch nach dieser Anleitung selbst anfertigen.
  • Fazit: die Luna Sandals sind mehr noch als die FiveFingers die Vorstufe zum Barfußlaufen. Einzig die Sohle (ein für unsere Bodenbeschaffenheit fast unabdingbarer Schutz für die Füße) und das Band unterscheiden das Laufen noch vom Barfußlauf. Wer tatsächlich komplett "back to the (indian) roots" will, und das zu günstigen Konditionen (Selbstbau), wird von den Luna Sandals begeistert sein.
Dieser Artikel ist Teil der Serie Der kleine Laufschuhtest
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