Leichte Schuhe: methodische Fallen
Stichwort:

In diesem Beitrag werden Fallen thematisiert, in die man beim Übergang von den klassischen, stärker gedämpften Schuhen auf leichte, wenig oder nicht gedämpfte Schuhe geraten kann. Hier geht es speziell um Fehler der Trainingssteuerung bei der Umstellung auf einen anderen Laufstil.

Kein weicher Übergang

Wir stellen fest, dass es einen faszinierenden neuen Trend im Laufsport gibt und lassen uns begeistern. Und schon ist es passiert (mir auch): wir machen eine tolle neue Erfahrung (siehe Der Vibram-Kick: barfuß im Wald und Back to the roots - wie alles anfing...) und wollen das Erlebnis immer wieder. Dabei missachten wir den wichtigsten Grundsatz bei allen Änderungen: allmählicher Fortschritt!
Statt eines weichen Übergangs machen wir einen harten Schnitt und stellen uns zu schnell auf neue Schuhe / Lauftechnik / Weltanschauung um: wir laufen uns selbst davon! Ein wenig Gelassenheit könnte uns dabei schon sehr helfen, wie der Zeitmanagement-Spezialist Lothar L. Seiwert in seinem Buch "Wenn du es eilig hast, gehe langsam" in der von ihm zitierten Geschichte von der Langsamkeit der Seele beschreibt:

Damals, als noch keine Straßen das Land zerschnitten und es noch keine Autos gab, die Menschen so schnell wie der Wind vom Meer in die Berge zu bringen, kämpfte sich ein Missionar mit einer Schar von Trägern durch den afrikanischen Busch. Er hatte es eilig und trieb seine Führer zu immer schnellerem Gehen an, denn in drei Tagen wollte er sein Ziel erreichen.
Der dritte Morgen zog herauf, strahlend stand die Sonne am Himmel, die Luft flimmerte, das hohe Gras bewegte sich sacht, und die Vögel sangen. Der Missionar drängte zum Aufbruch, aber die Träger lagerten und wollten nicht aufstehen. Kein Zureden half, kein Befehlen, kein Drohen. Endlich fragte er nach dem Grund ihres Zögerns und erhielt zur Antwort: "Unsere Körper sind zwar hier, aber wir müssen noch warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind."

Zu hohe Umfänge

Jede Umstellung - sei sie auch noch so klein - verlangt nach einer körpergerechten Anpassung. Dies gilt insbesondere für die teils erheblichen Umstellungen beim Wechsel auf einen anderen Laufstil.
Während bei kurzen Strecken bis 5km eine andersartige Belastung noch "locker weggesteckt" werden kann und vielleicht nur in einem leichten Muskelkater zum Ausdruck kommt, kann es bei längeren Strecken zu ernsthaften Überlastungen kommen.

Ganz wichtig ist es, die Anpassungsgeschwindigkeit des Körpers nicht überzustrapazieren! Während wir gewohnt sind, das Herz-/Kreislaufsystem bereits innerhalb weniger Wochen auf ein höheres Leistungsniveau bringen zu können, darf man nicht erwarten, dass dies auch für die Knochen, Sehnen und Gelenkknorpel gilt: bei diesen Strukturen liegt die Anpassungszeit im Monats- bis Mehrjahresbereich. Umso wichtiger ist es, die Umstellung durch einen gelenkschonenen Laufstil zu unterstützen!

Zu hohe Geschwindigkeiten

Was für die hohen Umfänge gilt, ist für die hohen Geschwindigkeiten ebenso richtig: eine Steigerung sollte maßvoll durchgeführt werden. Ist es bei den hohen Umfängen die Vielzahl an Belastungen, durch die eine Überlastung entsteht, so ist es bei der zu hohen Geschwindigkeit die wahrnehmbar höhere Stoßbelastung beim Aufsetzen des Fußes, die schnell zu Überbeanspruchungen und Beschwerden führt.

Fazit

Der Umstieg auf leichte Schuhe sollte so sanft wie möglich erfolgen. Am besten zunächst in der langsamsten Geschwindigkeit und dann nur an einem Tag in der Woche auf einer kurzen Distanz; in einer entsprechend langen Übergangsphase sollte man dann erst die Häufigkeit der Benutzung der leichten Schuhe erhöhen, danach den Umfang und zuletzt die Geschwindigkeit.
Meine eigenen Erfahrungen mit dem Spaß, den die leichten Schuhe vermitteln und der Versuchung, schon bald längere und schnellere Einheiten zu trainieren, sind von genau solchen Umstellungsüberlastungen geprägt. Ich kann nur empfehlen, den Versuchungen zu widerstehen, um langsfristig wirklich viel Freude an den leichten Schuhen und an dem mit ihnen möglichen natürlichen Laufen zu haben.

Mit diesem Artikel endet die Serie Laufen mit leichten Schuhen
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