Auf Eis gelegt
Stichwort:

Der Dezember 2010 bietet dem Läufer alles, was er zum Aktivieren des Inneren Schweinehunds *) braucht:

Gegen die Dunkelheit hefen Mondlicht, Stirnlampe oder an die Dunkelheit angepasste Augen.
Gegen die Kälte hilft bereits durchschnittliche Funktionskleidung. So extrem ist sie ja derzeit nicht.
Gegen die Nässe von unten helfen entsprechend isolierte Schuhe oder die Erwartung, gleich nach dem Laufen wieder ins Trockene zu kommen.

Gegen überfrorene Unebenheiten hilft einem niemand. In meiner Rangliste ganz oben stehen Reifenspuren, die bei angetautem Boden entstanden und anschließend festgefroren sind. Natürlich kann man auch das Laufen sein lassen, wenn auf allen Strecken solch schlechte Verhältnisse lauern.
Für ängstliche Naturen mag es in diesen Fällen besser sein, das Laufen auf Eis zu legen als sich selbst.
Für alle anderen bietet das Laufen auf Eis eine prima Chance, Laufstil und Feinmotorik zu verbessern!

Was lernt man denn auf dem Eis-Acker?

Weicher Fußaufsatz

Nur wer den Fuß sanft, plan und weich auf dem Boden aufsetzt, wird einen Halt auf dem Eis finden.
Schuhe mit weichen Sohlen "haften" oft besser als kräftig profilierte Treter, deren Sohlen wie Bretter auf den Boden klatschen und auf Eis trotzdem keinen Griff finden.
Am wohlsten fühle ich mich mit anschmiegsamen Sohlen wie die meiner Vibrams, auch wenn diese wiederum die Kälte eher durchlassen. Aber daran gewöhnt sich ein Körper.

Weiche Knie

Ideal sind leicht gebeugte Knie, die bereit sind, elastisch auf den Untergrund zu reagieren und ganz schnell wieder gebeugt werden, wenn der Fuß hinter dem Körper den Boden verlässt, um in einer Kreisbewegung wieder nach vorne zu kommen. Jede Druckverminderung beim Fußaufsatz (wozu auch die Knie beitragen) vermindert die Eis-Schmelze unter dem Fuß und damit einen noch glatteren Boden.

Richtige Position des Fußaufsatzes

Auf Eis haben Fersenläufer endgültig das Nachsehen und verdienen all unser Mitgefühl. Jeder schräg und vor allem gegen die Laufrichtung aufgesezte Fuß droht gnadenlos wegzurutschen, sobald der Untergrund wirklich glatt wird. Schlimmer noch ist das Umknicken auf dem glatten und unebenen Boden. Und wenn dann noch ein Sturz dazukommt...

Wo setzt man aber den Fuß richtig auf? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein minimal vor dem Körperschwerpunkt aufgesetzter Fuß, der dann erst belastet wird, wenn er sich direkt unterhalb des Körperschwerpunkts befindet, die beste Versicherung gegen das Wegrutschen ist.

Abdrücken vermeiden!

Wie denn das? Irgendwie muss man doch vorwärtskommen?! Hier macht die kraftsparende Technik des ChiRunning den einzig sinnvollen Vorschlag zum Vortrieb: über den flach aufgesetzten Fuß (das Schienbein kippt über den flachen Fuß) fällt der Rumpf unter Nutzung der Schwerkraft nach vorne. Logischerweise muss der Fuß durch Anheben der Ferse rechtzeitig wieder weg vom Boden, bevor er nach hinten wegrutschen kann! Bei sehr glattem Untergrund kann dadurch der Fuß nur eine sehr sehr kurze Zeit am Boden sein. Unser Laufen wird damit fast zu einem Tippeln mit kurzen schnellen Schritten. Anders ist eine Fortbewegung jedoch kaum möglich, denn jeder Schub mit dem Fuß oder Unterschenkel beraubt uns der Bodenhaftung.

Wie kontrollieren wir unseren Eislauf?

Bei eisglattem und unebenem Untergrund führt jede ungeeignete Bewegung sofort zu einem Wegrutschen des Fußes, schlimmstenfalls zum Sturz. Wir können daher die Effektivität unserer Bewegungen am einfachsten kontrollieren, indem wir beobachten, ob und wie sehr wir ins Rutschen kommen.
Und dann wird das sonst so lästige Rutschen zu einem hervorragenden diagnostischen Werkzeug:

Eine Warnung zum Schluss

So wirkungsvoll die hier beschriebene Eislauf-Diagnostik auch immer sein mag, man sollte sich des Umknick- und Sturz-Risikos immer bewusst sein, wenn man auf glitschigen Untergründen unterwegs ist!
Bitte daher vorher gründlich warm machen, um gleich mit elastischen Muskeln und Bändern zu starten. Wenns gar zu schlimm wird mit der Rutscherei:

  • Lauf deutlich verlangsamen,
  • am Rand des Weges unter Nutzung der Vegetation weiterlaufen,
  • zu Fuß gehen, oder
  • umkehren!

Besser einen Lauf abbrechen als einen Knochen!
Andererseits ist der Gewinn an Feinmotorik durch ein bewusstes Eis-Laufen eine wunderbare Versicherung gegen Stürze!

*) Ich liebe meinen inneren Schweinehund. Schweine sind intelligent und Hunde können gut laufen...

Weiter zum Blog-Artikel: Demut
Nach oben
Die Tagcloud zeigt alle in den Beiträgen markierten Begriffe an, die insgesamt mindestens 25 mal verwendet wurden. Je größer ein Begriff erscheint, desto öfter wurde er insgesamt verwendet.
Die Intensität der Farbe rot zeigt an, wie oft ein Begriff im gerade anzeigten Beitrag verwendet wird.
Der Klick auf einen Begriff führt zur Tag-Suche.
Alle Begriffe sind in der großen TagCloud zu sehen.
achillessehne arm asphalt aufprall ballen barfuß bein belastung bewegung boden bodenkontakt buch chirunning druck dämpfung eis energie erfahrung feder ferse fivefingers form freude fuß fußaufsatz fußsohle fähigkeit füße gefühl gelenk geschwindigkeit gewicht haltung haut heggie hüfte kalt kamera knie kopf kraft körper lauf laufen laufstil leben läufer marathon mensch methode muskel natur neigung reiz rücken sandale schmerz schnee schnell schotter schritt schuh schulter schwerkraft sehne sohle sole runner spaß stein strecke technik tempo training uhr untergrund unterschenkel verletzung vorfuß vortrieb wade wahrnehmung wald wasser weg weich welt wettkampf zehen zeit ziel überlastung
Beiträge
Nach oben