Strawberry Fields Forever
Stichwort:

Ein regnerischer Morgen. Ich habe mir heute eine 25km Strecke vorgenommen, die recht abwechslungsreich durch Felder und Siedlungen führt. Die meisten Wege sind eben, und wo es Anstiege oder Gefälle gibt, sind diese nicht extrem. Es ist warm, und gegen den Regen habe ich eine leichte Schirmmütze mit. Ich laufe in moderatem Tempo und komme unbeschwert voran. Bei km 12 verlasse ich eine Siedlung und komme in ein Gebiet mit Feldern, da umhüllt mich plötzlich ein intensiver Erdbeerduft.

Mag sein, dass ich das nahe Erdbeerfeld deshalb so deutlich wahrnehme, weil ich bei diesem Lauftempo noch gut durch die Nase atmen kann, was ich seit ein paar Wochen als sehr angenehm empfinde. Vielleicht ist es aber auch die erwartungsfreie Einstellung, mit der ich an diesem regnerischen Tag unterwegs bin. Ich glaube, ich habe Erdbeeren noch nie in meinem Leben (außer wenn ich sie gerade esse) so intensiv wahrgenommen.

Und plötzlich geht es gar nicht mehr ums Laufen, ganz im Gegenteil: ich bin Teil eines zweistündigen Road Movies, das mich entlang einer bekannten Tour immer wieder Neues erleben lässt.

Drei Kilometer weiter darf ich durch einen kleinen flachen See waten, unter dem der Feldweg verschwunden ist. Das ist viel angenehmer als um den See herum zu stapfen und im Matsch zu versinken. Das Wasser fühlt sich angenehm an und ich freue mich, dass ich meine Laufsandalen trage.

Bei km 18 werde ich scherzhaft von einem alten Pärchen gefragt, ob ich einen Schirm haben möchte. Ich rufe den beiden im Vorbeilaufen zu, dass ich eine Mütze dabeihabe, die ich sofort aufziehen werde, wenn der Regen noch stärker wird.

Etwa bei km 20 ruft mir ein alter Spaziergänger zu: "Das ist ja kein schönes Wetter!". Ich bleibe stehen und wir unterhalten uns kurz. Ich sage; "Wenn man schon mal draußen ist, macht einem doch der Regen gar nichts mehr aus." Er kann nicht widersprechen und setzt sogar noch einen drauf: "Und fit bleibt man außerdem!". Mit einem fröhlichen "Genau! Dann noch einen schönen Tag!" setze ich mich wieder in Bewegung.

Bei km 23 wundert sich ein Handwerker, der sich wegen des schlechten Wetters in seinen Lieferwagen verzogen hat, wie man trotz Regen so fröhlich vorbeitraben kann, und zu Hause angekommen, reißt mir das wichtigste Knötchen der rechten meiner selbstgefertigten Laufsandalen auf dem Schuhabstreifer ab - ein wunderbares Timing.

Das Knötchen (rot eingekreist) sitzt normalerweise unter dem Loch (Pfeilspitze) am Ende des Lederbändchens (Pfeilende).

Heute riss es nach dem zweistündigen Wassertreten genau auf dem letzten cm des Laufs ab.

Der Schaden ist leicht und ohne Werkzeug zu beheben. Mitten im Lauf im strömenden Regen hätte mir die Reparatur allerdings weniger Spaß gemacht.

Deutlich zu sehen sind die Wasserränder, die der heutige Lauf hinterlassen hat. Vorteil der Sandalen: sie trocknen schon während des Laufens vollständig ab (wenn es denn aufhört, zu regnen).

Wie bin ich nur in diese lockere Verfassung geraten, die den ganzen Lauf so verzaubert hat? War es der Regen? Das Erdbeerfeld? Die alten Leute, die so kommunikativ waren? Oder hatte ich einfach nur vergessen, dass dies ein Trainingslauf ist? Vielleicht aber haben ja die Yogis Recht, wenn sie besonderen Wert auf Nasenatmung und deren Beitrag zur Versorgung des Körpers mit Energie legen...

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