Heilung durch Dr. Wald

Ein Läufer nimmt an einem Wettkampf teil. Mag sein, dass er nicht richtig aufgewärmt war oder einfach zu engagiert gestartet war, nach kurzer Zeit zwickt es, die Muskeln verspannen und verhärten sich und das Rennen ist zu Ende, noch bevor es richtig angefangen hatte.

Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern.

Jetzt kommt unser Läufer auf eine Idee: was wäre, wenn ein vorsichtiger, ganz behutsamer, absolut natürlicher Bewegungsablauf die Heilung beschleunigen könnte?

Er will es wissen und geht barfuß in den Wald. Genau dorthin, wo viele kleine Steinchen, Äste, Eicheln und andere Samenkapseln und ein grobkörniger Belag die Wege schon für Benutzer der sehr dünnen FiveFingers von Vibram zu einer kleinen Herausforderung machen (siehe Der Vibram-Kick: barfuß im Wald), obwohl diese Zehenschuhe im Vergleich zum Barfuß-Laufen ca. 95% der Empfindungen eliminieren. Das hatte er sich für die Zeit vorgenommen, wenn die Fußsohle einmal so richtig robust geworden war. Also in frühestens 3 Monaten. Ungeachtet dessen trabt er jetzt ganz langsam ohne jeden Schutz der Fußsohle im Wald.

Das Stechen der Steinchen lenkt die Aufmerksamkeit von der Muskelüberlastung ab. Die vom Fuß automatisch initiierte Dämpfung führt zu einem sehr weichen Aufsatz und bewegt genau die richtigen Gelenke und Muskeln in einem notwendigen und sinnvollen Maß. Die überlasteten Muskeln werden bewegt, aber kaum belastet, weil unser Läufer sehr langsam unterwegs ist. Schneller würde er auf dem (noch) unangenehmen Untergrund ohnehin nicht laufen.

Unser Läufer führt diese therapeutische Übung 3 mal innerhalb einer Woche mit leicht steigender Geschwindigkeit und Streckenlänge durch. Nach drei Lauf-Tagen ist die Überlastung ausgeheilt.

Kann das wahr sein? Oder möchte der Autor dieser Begebenheit nur die Dinge in ein schönes Licht rücken, um seine neuen Ideen noch wertvoller zu machen? Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es nicht glauben. Dass es funktioniert, beschreiben auch andere Autoren:

Ich kann nach relativ kurzer Zeit (siehe mein Barfuß-Lauf-Tagebuch) nur erahnen, welche Vorteile es bietet, beim unverfälschten Kontakt mit dem Boden alle Möglichkeiten absolut natürlicher Bewegungen zu haben, weil keine Zehenbox die freie und unabhängige Bewegung der Zehen behindert und keine Dämpfung die Sensomotorik irritiert. Es erscheint mir absolut logisch, dass es zu keinem perfekten Ergebnis führen kann, wenn wir den Fuß mit allerlei Stützen, Keilchen, eher unflexiblen Sohlen und einem Stoffmantel umbauen, und dadurch einen evolutionär nicht vorgesehenen Laufstil ermöglichen, der bei höheren Belastungen und großen Umfängen tendenziell zu einem höheren Gelenkverschleiß führen muss.

Ich möchte damit nicht behaupten, dass bei einer Umstellung auf Barfuß-Laufen innerhalb kürzester Zeit alle Läufer-Wehwehchen verschwunden sein werden, ganz im Gegenteil: der Umstieg muss ganz behutsam erfolgen, da die Belastungen für Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke ganz andere sind als beim Laufen in Schuhen. Ein zu hastiger Umstieg führt mit ziemlicher Sicherheit in die Überlastung. Nach entsprechender Anpassung aber wird der natürlichere Laufstil zweifelsfrei immer auch der schonendere sein.

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