Gehts auch sanfter? Die Entdeckung des Injury free Running...
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Nach intensiverer Nutzung der Barfuß-Schuhe (ein 18 km Lauf sowie kurz darauf ein Intervall-Training auf der Bahn) hatte ich meine Kniegelenke und die Wadenmuskulatur endlich soweit, dass sie um Gnade winselten. Ich merkte langsam, dass eine Umstellung zum natürlichen Laufen sich nicht darauf beschränken durfte, meine Füße ungedämpft zu benutzen; eigentlich hätte ich auch den Untergrund austauschen müssen. Sicher liefen unsere Vorfahren nicht auf Asphalt, Schotter und auf Waldwegen, zu deren Befestigung spitze, scharfkantige Steine verwendet wurden. Hier merkte ich die Grenzen der Machbarkeit meiner Rückkehr zur Natur.

Meine Erwartung, durch Entkleidung der Füße automatisch bei einem auch für Gelenke, Sehnen und Muskeln optimalen Laufstil anzukommen, erwies sich als überzogen. Zwar hatte ich mich endgültig vom Fersenlauf verabschiedet, da dieser ohnehin nur mit speziellem Schuhwerk (leider der noch aktuelle Standard bei den Laufschuhen) zu ertragen ist, der Vorfußlauf hatte mir aber mit Wadenmuskel- und Kniebeschwerden auch einige Probleme eingebracht, so dass ich gezielt nach Laufstilen suchte, die auf Vermeidung von Überlastungen und Verletzungen abzielen.

Fündig wurde ich diesmal bei einem Buchversand, der weitere - nach Ansicht des Vorlieben-Analyse-Algorithmus - passende Bücher anbietet. Ein ganz spezielles Objekt meiner Begierde trug den Titel "ChiRunning - die sanfte Revolution der Laufschule" und warb mit einer Methode, die entspanntes Laufen mit Spaß und meditativen Elementen versprach. Im Web findet man eine ganze Menge hierzu, oft und passend begleitet von "Injury free Running". Wenn das Versprechen eingelöst werden könnte, die Erdanziehungskraft den Großteil der Arbeit beim Laufen erledigen zu lassen, dafür aber die Muskeln und Gelenke nur minimal zu belasten, waren die knapp 15,- EUR für das Buch gut investiert.

Der Autor des Buchs - der US-amerikanische Ultralangstreckenläufer Danny Dreyer - vermittelt auf ebenso anschauliche wie logische Weise, warum man sich beim traditionellen Lauftraining ("Power Running") trotz großer Anstrengungen und wohldurchdachter Trainingspläne tendenziell immer wieder Verletzungen einhandelt: es ist einfach der vergleichsweise unergonomische Einsatz des gesamten Körpers, der sich umso schlimmer auswirkt, je mehr trainiert wird. Danny Dreyer setzt dem Power Running einen aus dem Tai Chi stammenden Ansatz (ChiRunning) entgegen, der die wesentlichen Kräfte (Gravitation und die entgegenkommende Bewegung der Straße) ausnutzt, um mit sehr wenig Kraftaufwand und minimaler Gelenkbelastung vorwärtszukommen. Scheinbar absurderweise wird versucht, dadurch schneller zu werden, dass man sich beim Laufen immer mehr entspannt, statt zunehmend Kraft für den Vortrieb aufzubringen. Die tragende Rolle ist dabei dem Rumpf zugedacht, aus dem heraus alle Bewegungen erfolgen; insofern steht auch das Erreichen einer idealen Körperhaltung, begleitet von intensiver, fast meditativer Eigenwahrnehmung ("Body Sensing") im Vordergrund.

Genug der Schwärmerei: die Theorie klang (trotz einiger Ausflüge in die ostasiatische Metaphysik) so klar und unmittelbar einsehbar, dass ich nach einigen Trockenübungen zu Haltung und Neigung des Körpers kaum noch erwarten konnte, das ganze in die Tat umzusetzen...

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