Prinzessin auf der Erbse
Stichwort:

Hans Christian Andersen erzählt in seinem Märchen "Die Prinzessin auf der Erbse" von einer jungen Frau, die durch viele Matratzen hindurch eine Erbse spürt und damit eine Empfindsamkeit beweist, wie sie nur eine Prinzessin haben kann. Andersen kritisiert damit die Distanz des Adels zum gemeinen Volk, von dessen rauher Wirklichkeit sich die höheren Herrschaften tunlichst fernhielten.

Wenn ich an meine ersten Barfußläufe zurückdenke, so komme ich mir vor wie die Prinzessin auf der Erbse: die rauhe Wirklichkeit schmerzte in den Fußsohlen, deren Empfindlichkeit ein Leben lang gesteigert wurde, da sie den Boden immer durch dicke Schuhsohlen hindurch erspüren mussten. Und plötzlich trafen ungeschützte, dünnhäutige Fußsohlen auf übersteigerte Wahrnehmungen: kein Wunder, dass das Laufen auf Schotterwegen eine kaum auszuhaltende Pein darstellte. Verschlimmert wurde die Empfindung noch durch den begleitenden Gedanken, dass die Qual sicher nach einer Zeit der Anpassung verschwinden würde; anders als erwartet tröstet diese Hoffnung nicht, sondern legt den Finger direkt in die offene Wunde, denn: heute ist Qualtag, auch wenn's in vier Wochen schon ganz anders aussehen mag. Warum ist der Gedanke so unklug? Sein Ziel ist die unangenehme Empfindung und nicht der künftige bessere Zustand!

In seinem Buch "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" (ein lesenswertes Werk über die großen Auswirkungen kleiner Anomalien in Hirnstruktur oder -stoffwechsel mit vielen Fällen aus seiner Praxis) berichtet der britische Neurologe Oliver Sacks im Kapital "Hundenase" von einem Studenten, dessen Wahrnehmung von Gerüchen durch eine vorübergehende Hirnfunktionsstörung um ein Vielfaches intensiviert wurde: der Geruchssinn des Mannes konnte fast mit dem eines Hundes mithalten, wobei die Intensität der Wahrnehmung nicht auf einer Vermehrung der Geruchssensoren beruhte, sondern auf einer fast unendlichen Verstärkung der Reize, die von den Sensoren ausgingen.
Wie unsere "Prinzessin auf der Erbse" oder der frisch gebackene Barfußläufer hatte auch der Student ein Problem mit der Reiz-Interpretation.

Da unser Gehirn aber ein extrem anpassungsfähiges Organ ist, kann sich das Blättchen doch recht schnell zum Guten wenden:

  • Der Hirnstoffwechsel des Studenten hatte sich nach einigen Wochen wieder normalisiert.
  • Unser Barfußläufer empfindet Unebenheiten bereits nach einem Monat weitaus weniger schmerzhaft.

Ob allerdings die empfindsame Prinzessin jemals den Willen und die Gelegenheit hatte, ihr Gehirn anzupassen, lässt die Geschichte offen...

Weiter zum Blog-Artikel: Natürlich laufen lernen
Zurück zum Blog-Artikel: Heilung durch Dr. Wald
Nach oben
Die Tagcloud zeigt alle in den Beiträgen markierten Begriffe an, die insgesamt mindestens 25 mal verwendet wurden. Je größer ein Begriff erscheint, desto öfter wurde er insgesamt verwendet.
Die Intensität der Farbe rot zeigt an, wie oft ein Begriff im gerade anzeigten Beitrag verwendet wird.
Der Klick auf einen Begriff führt zur Tag-Suche.
Alle Begriffe sind in der großen TagCloud zu sehen.
achillessehne arm asphalt aufprall ballen barfuß bein belastung bewegung boden bodenkontakt buch chirunning druck dämpfung eis energie erfahrung feder ferse fivefingers form freude fuß fußaufsatz fußsohle fähigkeit füße gefühl gelenk geschwindigkeit gewicht haltung haut heggie hüfte kalt kamera knie kopf kraft körper lauf laufen laufstil leben läufer marathon mensch methode muskel natur neigung reiz rücken sandale schmerz schnee schnell schotter schritt schuh schulter schwerkraft sehne sohle sole runner spaß stein strecke technik tempo training uhr untergrund unterschenkel verletzung vorfuß vortrieb wade wahrnehmung wald wasser weg weich welt wettkampf zehen zeit ziel überlastung
Beiträge
Nach oben