Würdest du laufen?
Stichwort:

Würdest du auch dann laufen, wenn du...

...keine Angst davor hättest, unsportlich auszusehen?

Viele Jogger wirken nicht glücklich, wenn sie laufen. Schauen sie aber anschließend auf die Pulsuhr und lesen ab, wie viele Kalorien sie nach Ansicht der Uhr verbraucht haben, kehrt das Glück in die Gesichter zurück, denn: mit diesem Lauf ist der Verfettung abermals ein Riegel vorgeschoben worden.
Und ich: auch ich habe - bevor ich mit dem Laufen anfing - über 20 kg mehr gewogen als heute. Die Kilos will ich nie wieder mit mir rumschleppen. Es ist zwar nicht mein Hauptantrieb, aber ich muss so ehrlich sein und mir diesen Aspekt als Teil meiner Motivation eingestehen.

...nicht befürchten müsstest, mangels guter Leistungen weniger geachtet zu sein?

Viele Teilnehmer an Wettkämpfen freuen sich, ihre guten Leistungen zu kommunizieren. Nicht wenige fürchten, bei schlechten oder abnehmenden Leistungen ihr Gesicht zu verlieren oder sogar eine gewisse Häme ertragen zu müssen. Seidem ich meine Umstellung auf die Barfuß-Lauftechniken eher konsequent durchführe, bin ich aus allen üblichen Trainingsplänen rausgefallen und kann somit derzeit kaum mit anderen konkurrieren. Glücklicherweise macht mir dies fast nichts aus.

...dem Verfall auch mit Laufen nichts entgegensetzen könntest?

Ein Phänomen des Älterwerdens. Das trifft mich auch, und ich erwische mich öfters beim Austesten von Stellschrauben zur Verbesserung der Leistung, die mir früher nie in den Sinn gekommen wären. Wenn schon nicht die Kraft gehalten werden kann, so muss doch ein Ausgleich durch bessere Lauftechnik her. Hmm...

...nicht immer wieder neue Beschäftigungsschwerpunkte durchs Laufen fändest?

Der Punkt ist uneingeschränkt wahr, nur dass es hier weniger die Angst ist, sondern die Entdeckerfreude. Allein die (nur auf den ersten Blick simple) Mechanik der Bewegungen fasziniert. Verändere einen Parameter und die gesamte Bewegung ist plötzlich anders. Alles hängt mit allem zusammen, und für jedes sinnvolle Bewegungsmuster gibt es 10 unsinnige oder ineffektive. Mir würde was fehlen ohne diese Betrachtungen.

...nie wieder davon berichten könntest?

Ja, auch dieser Blog ist mir ans Herz gewachsen und es macht mir viel Spaß, über meine Erkenntnisse und Erlebnisse zu schreiben. Ich würde es bedauern, wenn dies nicht mehr möglich wäre.

Was bleibt übrig vom Laufen, wenn du es ohne Angst tust?

Anders gefragt: was hätte ich vom Laufen, wenn ich der letzte Mensch auf dem Erdball wäre?

Eine Bewegung, die für uns (wir sind unser Körper!) normal sein sollte. Strecken, deren Überwindung im Gehen zu lange dauert, sollten wir laufen. Und wenn es mal schnell sein muss, sollten wir rennen. Welcher Erwachsene kann das denn noch, ohne Angst, sich lächerlich zu machen? Außer im Bahnhof sehe ich nie einen Erwachsenen rennen (man muss der Deutschen Bahn sehr dankbar sein, dass sie den Menschen einen Grund gibt, sich nicht für eine Fortbewegung schämen zu müssen, die mit gemessenem Schreiten nichts mehr zu tun hat; auch wenn es den Sprintern im Hauptbahnhof weniger ums Laufen geht als um das Erreichen des Anschlusszugs).

Ein Wohlgefühl, wenn alle Gelenke, Sehnen und Muskeln so zusammenarbeiten, dass wir uns ohne große Mühe und vor allem ohne fremde Hilfe vergleichsweise schnell fortbewegen können.

Eine Gelegenheit, solch deutliche Rückmeldungen vom Körper zu bekommen, dass es der Kopf nicht ganz so leicht hat, sich dem Hier und Jetzt durch Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft zu entziehen.
Und wenn er es dennoch tut: zieh die Schuhe aus und laufe weiter!

Weiter zum Blog-Artikel: Laufschuhtest: Brooks PureConnect
Zurück zum Blog-Artikel: Kleine Laufstillehrer
Nach oben
Die Tagcloud zeigt alle in den Beiträgen markierten Begriffe an, die insgesamt mindestens 25 mal verwendet wurden. Je größer ein Begriff erscheint, desto öfter wurde er insgesamt verwendet.
Die Intensität der Farbe rot zeigt an, wie oft ein Begriff im gerade anzeigten Beitrag verwendet wird.
Der Klick auf einen Begriff führt zur Tag-Suche.
Alle Begriffe sind in der großen TagCloud zu sehen.
achillessehne arm asphalt aufprall ballen barfuß bein belastung bewegung boden bodenkontakt buch chirunning druck dämpfung eis energie erfahrung feder ferse fivefingers form freude fuß fußaufsatz fußsohle fähigkeit füße gefühl gelenk geschwindigkeit gewicht haltung haut heggie hüfte kalt kamera knie kopf kraft körper lauf laufen laufstil leben läufer marathon mensch methode muskel natur neigung reiz rücken sandale schmerz schnee schnell schotter schritt schuh schulter schwerkraft sehne sohle sole runner spaß stein strecke technik tempo training uhr untergrund unterschenkel verletzung vorfuß vortrieb wade wahrnehmung wald wasser weg weich welt wettkampf zehen zeit ziel überlastung
Beiträge
Nach oben