Laufschuhtest: Merrell Embark Glove

Bitte ebenfalls die aktuelle vergleichende Beurteilung aller hier getesteten Schuhe lesen!

 

Merrell Embark Glove
Laufen bedeutet mir viel: die Freiheit, überall hin und solange ich möchte zu laufen, ist untrennbar mit meiner Freude am Laufen verbunden. Als Barfuß-Lauf-Umsteiger gelingt es mir noch nicht, unter allen Bedingungen diese Freiheit auszuleben. Bei großer Kälte frieren mir die Zehen ein, bei zu unwegsamem Gelände (Schotter, steinige Trails,...) kostet mich das Laufen zu viel Kraft, so dass ich nicht weit komme. Für solche Bedingungen musste nun ein Schuh gefunden werden, der gegen Kälte (und Nässe) schützt und eine flexible, aber robuste Sohle hat, um auch auf steinigen Pfaden länger durchzuhalten. Bei meinen Recherchen stieß ich auf den Merrell Embark Glove.

  • Gewicht: ca 220g *)
  • Tragekomfort: Die Merrell sitzen gut, wenngleich ich die Ferse für ein wenig zu steif halte, was sich beim ersten Einsatz auch in Form einer Blase bestätigte. Die Passform ist im Zehenbereich weit genug um auch den leicht spreizenden Fuß eines Barfuß-Läufers nicht zu sehr einzuengen. Die Sohle fällt allerdings sowohl beim Gehen als auch beim langsameren Laufen durch eine Festigkeit/Steifigkeit auf, die dem Einsatzzweck Trailrunning sicher angemessen ist, das Attribut "barefoot" aber in keiner Weise erfüllt. Genau an diesem Punkt tritt der Charakter des Merrell hervor: er ist ein stabiler Schuh ohne Sprengung und Dämpfung, der aufgrund der Festigkeit der Sohle jedem Untergrund standhält. Ob es über Geröll, Schotter, durch Matsch und Schnee oder ähnliche Herausforderungen geht, der Merrell "macht alles platt". Ich kann nur staunen, wie man einen so stabilen Schuh mit einem vergleichsweise derart geringen Gewicht bauen kann.
  • Dämpfungseigenschaften: Der Merrell dämpft nicht, weil seine Sohle nicht aus komprimierbaren Komponenten (Gel-Kissen etc.) aufgebaut ist. In Punkto Dämpfung wird der Merrell dem Barfuß-Anspruch also gerecht: jegliche Dämpfung muss der Fuß selbst leisten. Wegen der steifen Sohle ist dies sogar ein wenig mühsamer als beim Barfuß-Laufen. Seine Stärken entfaltet der Merrell bei dieser Steifigkeit erst bei höheren Laufgeschwindigkeiten oder bei rauherem Gelände, da er bei stärkerem Impact natürlich mehr nachgeben muss.
  • Langstreckeneignung: da ich nicht gern weit in wenig flexiblen Schuhen laufe, würde ich Strecken über 25km vermeiden.
  • Wettkampfeignung: für einen Trailrunning-Schuh kommt als Wettkampf eigentlich nur die Cross-Disziplin in Frage. Wenn die Bedingungen beim Crosslauf nicht so schwierig sind, dass nur noch Spikes helfen, sind die Merrell sicher geeignet. Einen Marathon würde ich mit diesen Schuhen auf keinen Fall laufen.
  • Untergründe: alle denkbaren. Steiniges Terrain oder matschige Bedingungen steckt der Merrell dank der profilierten Sohle ohne Murren weg. Seine Eignung auf eisglatten Flächen konnte ich noch nicht testen.
  • Haltbarkeit: der Merrell macht einen sauber und robust verarbeiteten Eindruck. Wegen der kurzen Zeit, die ich mit ihm bislang gelaufen bin, kann ich keine Bewertung zur tatsächlichen Haltbarkeit abgeben.
  • Besonderheiten: Der Fuß bleibt auch bei nassester Piste wirklich trocken (wenn das Wasser nicht von oben in den Schuh läuft) und warm. Der Schnürsenkel ist sehr glatt, wodurch eine schnelle Schnürung ermöglicht wird. Man sollte den Knoten aber doppelt machen, wenn man Pausen wegen offener Schnürsenkel vermeiden möchte..
  • Fazit: Meine Erwartungshaltung an einen Barfuß-Trailrunning-Schuh erfüllt der Merrell nicht (Trailrunning ja, barfuß nein), dazu ist die Sohle zu unflexibel. Ich verstehe, dass ein Hersteller bei zwei widersprechenden Zielen (Stabilität vs. Flexibilität) einen Kompromiss finden muss; beim Merrell hätte ich mir deutlich mehr Flexibilität gewünscht, aber das ist eine Sache persönlicher Vorlieben. Ich kann nur raten, den Merrell im Laden auf dem Laufband in unterschiedlichen Geschwindigkeiten (und wenn vorhanden auch auf einer Teststrecke für Bergschuhe) auszuprobieren und sich selbst ein Urteil zu bilden. Ich werde den Merrell immer dann tragen, wenn es die Umstände erfordern. Öfter nicht!

*) Im Web geistern Angaben zwischen 176g und 245g für einen einzelnen Schuh (Größe 42 bzw. 43) herum. Meine Angabe wurde mittels einer Haushaltswaage ermittelt und entspricht auch meinem "Schweregefühl" beim Tragen des Schuhs.

Dieser Artikel ist Teil der Serie Der kleine Laufschuhtest
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