Gut ist besser als besser
Stichwort:

Ich frage mich:

  • Wenn ich heute schneller laufe als gestern, fühle ich mich dann wohl?
  • Wenn ich morgen schneller laufe als ein Mitläufer, bin ich dann zufrieden?
  • Wenn ich härter trainiere als letztes Jahr, werde ich dann erfolgreicher sein?
  • Wenn ich erfolgreicher bin, werde ich dann glücklicher sein?
  • Kann es beim Sport eine un-bedingte Erfüllung geben?
  • Kann es beim Laufen eine un-vergleichliche Freude geben?

und mir wird klar, wie sehr doch Zufriedenheit vom günstigen Ausgang mancher Vergleiche abhängt.

Für alternde Laufsportbegeisterte haben diese Vergleiche einen kleinen, aber bedeutenden Nachteil: die Leistungen nehmen kontinuierlich ab. Vergleiche mit der eigenen Biographie müssen daher immer dann ungünstig ausfallen, wenn man bereits einmal sein Trainings- und Leistungsoptimum erreicht hatte. Kraft und Ausdauer sind mit zunehmendem Alter bei vergleichbarem Trainingsaufwand nicht steigerbar. Bleibt nur die Effizienz und - im geringem Umfang - die Erfahrung, mit der man bestimmte Läufe / Wettkämpfe taktisch angeht. Wir merken: wer auf absolute Vergleiche setzt, erreicht im Laufe der Jahre immer weniger Zufriedenheit, da besser immer schlechter erreichbar wird.

Was spricht eigentlich dagegen, die ganze Vergleichereri einfach zu lassen und sich stattdessen einen leistungsunabhängigen Quell der Zufriedenheit zu erschließen? Die Rede ist vom Erleben des Laufens. Nicht das oft genannte Runners High, das von Läufern ebenso wie von Nicht-Läufern immer wieder bemüht wird: von ersteren, um in ihrer Laufgruppe nicht als erfahrungsarmes Greenhorn zu gelten; von letzteren, um den Läufer mit Runners High als Abhängigen abzuqualifizieren, der man natürlich nicht sein möchte, weshalb man das mit dem Laufen ja gar nicht erst anfängt. Nein, mir geht es nicht um das Runners High, sondern um die unabhängig vom Alter und Leistungszustand jederzeit erlebbare und ausbaufähige Fähigkeit, beim Laufen bei sich zu sein. Wir wollen einmal untersuchen, was diesen Zustand ausmacht:

  • Ich nehme mich wahr: jeden Körperteil und alle Bewegungen
  • Ich sehe die Natur um mich herum
  • Ablenkende Gedanken sind mir nicht wichtig: ich verscheuche sie nicht, aber greife sie auch nicht auf *)
  • Ich verfolge keinen Plan: wenn ich schneller laufen möchte, so tue ich es; wenn ich langsam traben möchte, habe ich kein schlechtes Gewissen!
  • Anderen Menschen begegne ich mit Rücksicht: sie sind wie ich aus gutem Grund unterwegs und ich betrachte sie nicht als Hindernisse
  • Ich spüre den Unterschied zwischen richtigen und falschen Bewegungen, versuche aber nicht, ihn zu verbalisieren
  • Ein Gefühl wie Alles in Ordnung, es gibt nichts mehr zu tun füllt mich aus, wie wenn es das Wort gut als Gefühl gäbe,

Ich finde, gut ist eindeutig besser als besser. Das hindert mich nicht an der Teilnahme an Wettkämpfen, deren einziges Ziel die Erreichung von besser ist. Aber nur, wenn ich mich gut dabei fühle...

*) manchmal spielt in meinem Kopf eine leise Melodie im Hintergrund, die wunderbar zum Laufrhythmus passt. Sie zeigt mir an, welchen Bewusstheitsgrad meine aktuelle Wahrnehmung von Körper und Umwelt hat: je lauter sie spielt, umso weniger bin ich präsent. Sie zu bekämpfen wäre sinnlos, weil die sie bekämpfenden Gedanken viel störender sind als die Melodie.

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