Recordings

Brain Recorder
Oah, geht leicht... Ist doch besser, langsam anzufangen! Sandler (1) geht manchmal erst ne Strecke zu Fuß, bevor er losläuft. Wär das früher besser gegangen als ich jünger war?

Vorne - zwei Walker! Laut räuspern (noch 50 Meter) . Merken nix. Klar: quasseln ja unaufhörlich. "Morgen!" (noch 35 Meter). Der eine dreht den Kopf, natürlich nicht weit genug, die merken tatsächlich nix!. "Tschuldigung" (laut, noch 20 Meter). Oops, erschrecken wollt ich die nicht. Wollen Platz machen, stolpern aber nur durcheinander, wenigstens sehen sie mich. Schlängle mich - "Danke schön!" - mitten durch. "Bitte" (10 Meter hinter mir). Geht jetzt bergab, ganz leicht. Achtung spitzer Stein. Uh knapp!

Öh - (60m voraus) - Joggerin, Schlappschritt und Armrotation. Noch 30m - hat die Stöpsel im Ohr, also geräuschlos vorbeihuschen, bevor sie doch was hört und erschrickt, ist ja Platz links dran vorbei. Zuckt blöd, na ja, wer die Stöpsel im Ohr hat, muss damit rechnen. Bin ich fies? Ich hab ihr ja nix getan. Fast nix.

Oah, geht echt leicht. Bisschen mehr aus dem Armen: geht schneller. Atem durch die Nase reicht dicke aus. Trainingseffekt? Hm, wenns so nen Spaß macht, kanns nicht verkehrt sein.

Jetzt die erste Steinhölle. Arbeiten, weich landen, au, Mist, Treffer, noch mehr mit der Hüfte abfangen, schleichen. Nasenatmung reicht nicht mehr, muss mich anstrengen. Besser für die Sohle. Extrem soft strengt extrem an. Effizient ist das nicht mehr. Hier arbeitet der ganze Körper, um die Fußsohle zu schonen. Sandler (2) nennt das den Ape Walk. Man läuft wie ein Affe geht und macht sich - in den Augen der beschuhten Jogger - auch zu einem solchen. Wartet mal ab, noch 80 Meter. Fester Lehmboden, das geht wie Samt. Körper strecken, Füßchen heben und ab die Post. Das ist deutlich schneller als ein 4er-Schnitt, da braucht keiner mehr blöd zu glotzen. Wenn die Sohle doch nur schon so fest wäre, dass ich das auf dem Schotter auch kann.

Hey Amselmännchen, nicht zanken, sonst fliegt ihr mir noch unter die Füße. Sch.., jetzt muss ich noch bremsen, so kirre sind die vor lauter Brunftgebaren. Besser als auf eine drauftreten, würd ich mir nie verzeihen. Was machen da schon die zwei Sekunden Verzögerung?

Blöde Selbstgespräche! Lieber auf die Form achten: angenehme Neigung, schön gestreckt, Füße setzen vorne auf. Leichter Muskelkater noch von dem langen Lauf gestern in den Muskeln oberhalb der Knie. Können nicht-ChiRunner (3) gar nicht nachvollziehen, aber das sind die Muskeln, die an der Säule beteiligt sind, die permanent nach vorne fällt. Ist das sprachlich vermittelbar? Zweifel! Schon wieder Selbstgespräche, Mist! Becken rotiert gut, Arme sind zu weit unten. Winkel größer als 90 Grad, warum? Kleinerer Winkel führt zu Mehrarbeit für die Beine, warum? Kürzere Arme sind "zu leicht" für die langen Beine, muss die Romanov-schen Hamstrings (4) mehr spannen, dann gehts, strengt aber mehr an, ärgerlich! Schneller laufen bringts: Füße kommen höher, Schwungbein wird kürzer, Arm darf jetzt auch kürzer sein. Genial: hin.- und herprobieren und am Schluss gut fühlen. Spielen, tanzen. Wieder wie als Kind! Und immer schneller werden.

Booa, zweite Steinhölle. Weniger hart und am rechten Rand weniger steinig. Wieder Walker, laufen rechts, wie dumm. Muss über die noch steinigere Mitte zum linken Rand. Lassen zum Glück genug Platz. "Morgen!". "Morgen. Oh, guck mal: barfuß". Den Rest hör ich nicht mehr, muss mich auf sanft Aufsetzen konzentrieren. Noch 300m. Bin noch schnell und mit hoher Schrittfrequenz (sicher jenseits der 200 Schritte/Min) strengts zwar an, ist aber auch bald rum! Aaahh. Leichte Taubheit, geht vorbei, am besten mit den Zehen greifen, das geht gut. Mittig zwar größere Steine, rechts aber fester Lehm, bisschen feucht. Der Sandler (5) freut sich, wenn ihm der Dreck zwischen den Zehen durchquillt. Brauch ich nicht. So ne Pampe ist ja auch rutschig! Lieber flott vorwärtskommen!

Gnicklein, streck dich! Mehr Neigung (6) und ich fühle mich wie ein Sprinter, der gerade den Startblock verlassen hat. Die Füße arbeiten jetzt mehr nach hinten als nach unten. Jetzt fliegt der Wald. Nasenatmung ade, aber spaßig. Achillessehne und Wade kriegen jetzt viel Zug. Mehr Hüftrotation (7) und der Zug ist gleich wieder weg.

Hund an der langen Schleppleine. Bin zu schnell um was zu rufen. Der Hund merkt nichts und ich bin schon vorbei.

50m weiter Spaziergänger mit typischer Armhaltung: Ellenbogen zusammengefaltet, Hand(y) am Ohr. Parallelwelt. Leider sehr dick (spaziert wenigstens im Wald), läuft aber mitten auf dem Weg, hier wo es schmal wird. Was bloß tun? Klatsche laut in die Hände. Spaziergänger dreht sich um, uff - gerettet.

Wollte doch durch die Nase atmen. Ok, langsamer laufen, dann gehts wieder. Der Weg ist ok. Bin jetzt ganz in mir drin. Warm. Läuft. Sanft. Denke - nicht!


Die Fußnoten

oder: was der Recorder nicht aufzeichnete, da mir klar ist, was es bedeutet:

(1) Sandler - langsam einlaufen

Der US-amerikanische Barfußlauf-Papst Michael Sandler berichtet in seinem Buch "BAREFOOT RUNNING", dass er seine Läufe startet, in dem er zu Fuß geht und dann zunächst in ein leichtes Jogging Tempo wechselt. Das ganze einige Minuten oder auch länger. So zu beginnen ist viel intelligenter als sich hetzen lassen und sich dann über Verletzungen ärgern, die man nur deshalb erlitten hat, weil man zu schnell begonnen hat.

(2) Sandler - Ape Walk

Der Affengang ist eine Fortbewegungsmethode für "the most challenging of terrain". Mit tiefem Schwerpunkt bei Walking-Geschwindigkeit werden die Füße großflächig und sanft aufgesetzt, um steinige und spitze Untergründe mit erträglichem Druck zu passieren. Das ganze ist insofern anstrengend, als der ganze Körper mitdämpft, um die Füße zu entlasten: weiche Knie, weiche Hüfte, weiche Arme.

(3) ChiRunning - Säule

ChiRunner stellen sich vor, der gesamte Körper ist wie eine Säule: gestreckt vom Sprunggelenk über die Hüfte bis zu den Schultern. Diese Säule sollte ohne zu starke muskuläre Anstrengung stabil sein, so dass sie sich nicht durchbiegt, wenn man von oben auf die Schultern drückt. Ebensowenig kann der Bodenkontakt beim Laufen die Säule komprimieren, was viel Kraft spart, da zur Aufrechterhaltung einer guten Haltung kaum Muskeln benötigt werden. Kaum heißt jedoch nicht "gar keine", und ein sehr langer Lauf kann bei den trotzdem zur Aufrechterhaltung der Säule benötigten Muskeln (oberhalb des Knies, dort wo die Säule federn muss, will man nicht mit steifem Knie laufen) seine Spuren hinterlassen...

(4) Romanov - Hamstrings

Die rückwärtigen Oberschenkelmuskeln (Hamstrings) spielen bei der Pose Method von Dr. Nicholas Romanov eine wichtige Rolle, um das hintere Bein schneller wieder nach vorne zu bringen, in dem sie den Unterschenkel anheben und damit das Drehmoment verringern. In der Pose Method werden die Hamstrings in speziellen Übungen gekräftigt, um beim schnellen und weiten Laufen weniger zu ermüden. Andere Laufmethoden verwenden andere Techniken, um das freie Bein nach vorne zu bringen, zum Beispiel die Hüftrotation:

(5) Sandler - Dreck zwischen den Zehen

Vielleicht tue ich Michael Sandler unrecht, wenn ich Dirt einfach mit Dreck übersetze. Möglicherweise meinte er ja Erde und verbindet damit ein angenehmes Gefühl. Ich versuche jedenfalls, allzu weichen Boden zu vermeiden, wenn ich barfuß unterwegs bin.

(6) ChiRunning - Neigung

Die Neigung spielt eine zentrale Rolle im ChiRunning. Je mehr die Säule geneigt wird, umso schneller kommt man mit gleicher (hoher) Schrittfrequenz voran. Die Neigungswinkel werden in vier Gänge (wie beim Fahrrad oder Auto) eingeteilt und bestimmen den Speed zwischen leichtem Trab und schnellem Renntempo, genau nach dem Grundsatz "Die Neigung ist dein Gaspedal".

(7) Hüftrotation - Pronation am Fuß

Bei Hüftdrehung setzen die Füße anders auf als bei starrer Hüfte. Dies lernt man bei Jack Heggie. Ich habe festgestellt, dass die stärkere Hüftrotation für die Unterschenkel wesentlich schonender ist, denn die Pronationsbewegung ist stärker, weshalb der Fuß viel sanfter auf dem Boden aufsetzt und Waden sowie Achillessehnen nicht schlagartig belastet werden.

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