Laufschuhtest: Vibram FiveFingers Seeya

Bitte ebenfalls die aktuelle vergleichende Beurteilung aller hier getesteten Schuhe lesen!

 

Vibram Fivefingers Seeya
Am liebsten wäre es mir, diesen Bericht deshalb nicht schreiben zu müssen, weil ich inzwischen alle Strecken und Geschwindigkeiten ohne Schuhe laufen kann. Die Regenfälle dieses Sommers haben jedoch aus den von mir so heiß geliebten Waldwegen einen Großteil der dämpfenden Substanzen (die zerfallenen Blätter des Herbstes und sonstige im Mahlstrom der Jahreszeiten entstandene weiche Partikelchen) ausgewaschen und sie in halbe Schotterpisten verwandelt. Gleichzeitig bricht nun die Trainingsphase für meinen Herbstmarathon an und das bedeutet: den gleichen Stil laufen wie im Rennen, oft auch in der gleichen Geschwindigkeit oder ein bisserl schneller. Barfuß aktuell zumindest im Wald nicht machbar. Es mussten daher ein paar Schuhe beschafft werden, die so barfüßig wie möglich sind (voll beweglich, leicht) und dennoch an den wichtigen Stellen (Zehen und Ballen) ein wenig Schutz bieten. Vibram hat für solche Anforderungen ein Ultralight-Modell rausgebracht, das auf die nötigsten Teile reduziert ist und nur dort Schutz bietet, wo ich ihn brauche.

Mein erster Kontakt war ein Lauf mit zwei 5km-Runden im Wald und das Laufgefühl war verblüffend. Mehr dazu unten im Fazit. Inzwischen (Nachtrag vom 16.10.2012) haben die Schuhe einen Marathon (München 2012) hinter sich und ich liebe sie mehr denn je, denn das Laufgefühl über die 42,195 km war genial.

  • Gewicht: ca 115g
  • Tragekomfort: Sehr angenehm, vergleichbar mit weichen Turn-Schläppchen. Das weiche Obermaterial sorgt dafür, dass sich der Schuh dem Fuß anpasst. Viele Einstellmöglichkeiten gibt es jedoch nicht, sondern nur einen Klettverschluss, der von außen nach innen über den Mittelfuß geht. Wer eine Verstellmöglichkeit im Fersenbereich braucht, könnte Probleme mit der Passform bekommen. Der Schuh sitzt sehr weich am Fuß, und ein starkes Festzurren des Klettverschlusses führt nur zu mehr Druck auf dem Spann, bringt aber das Fersenteil nicht fester an den Fuß, da der Zug des Bands nicht wie z.B. bei den KSO oder Flow TREK zur Ferse weitergeführt wird. Auf den ersten 1.000 m resultierte das in dem Gefühl, die Ferse würde leicht nach unten abrutschen; dies war jedoch nicht der Fall. Nachdem ich mich an das lockere Gefühl an der Ferse gewöhnt hatte, war es sogar recht angenehm. Ich habe den Schuh vor dem ersten Lauf schon für Spaziergänge getragen, und mir fiel auf, dass bei der Pronationsbewegung beim Ballen-Aufsatz der Stoff leicht über den inneren Rand meines Fußgewölbes glitt, weshalb ich - um Reibestellen und Blasen zu vermeiden - den Schuh beim Laufen mit Zehensocken getragen habe, was bislang jegliche Scheuerstellen vermieden hat.
  • Dämpfungseigenschaften: die Sohlenplättchen unter dem Ballen schützen trotz geringer Dicke erstaunlich gut gegen scharfe, spitze Steine. Das ist zwar keine Dämpfung im herkömmlichen Sinne, aber ein sehr willkommener Schutz für alle, die den Vorfuß aktiv einsetzen.
  • Langstreckeneignung: wie barfuß, jedoch ohne die Gefahr von Hautabrieb. Einen Marathon haben sie gut überstanden (wie auch meine Füße, s.o.)
  • Wettkampfeignung: keine. Für Läufer, die einen Cross ansonsten barfuß laufen würden, stellen sie schon eine Hilfe dar, weil sie die wichtigen Stellen der Sohle gegen scharfe Kanten schützen.
  • Untergründe: je schmieriger, desto schwieriger. Das ausgesprochen flache Profil greift nicht auf rutschigen Böden. Wo man jedoch durch die Flexibilität des Schuhs mit den Zehen den Boden greifen kann, relativiert sich der fehlende Grip; unebene, aber nicht rutschige Untergründe können wegen der enormen Anschmiegsamkeit der Sohle viel sicherer beherrscht werden als mit festeren Sohlen.
  • Haltbarkeit: noch keine Aussage möglich. Das Band des Klettverschlusses wirkt - da es aus sehr dünnem Material gefertigt ist - anfällig, aber das ist nur der haptische Eindruck. Näheres wenn die Schuhe mal 500 km auf dem Buckel haben...
  • Besonderheiten: aus all meinen FiveFingers ragen die Seeya wie ein Leuchtturm heraus, sind sie doch die ersten, die durch ihre Flexibilität, Leichtigkeit und den Tragekomfort (mit Zehensocken, s.o.) näher ans Barfußlaufen herankommen als alle anderen Modelle. Sie verleiten den Läufer dazu, schnell und leicht auf dem Vorfuß zu laufen und unterstützen diese Art der Fortbewegung in einer Weise, die viel Freude bereitet.
  • Fazit: für Barfußläufer und erfahrene Minimal-Schuh-Träger, die gut auf dem Vorfuß unterwegs sind (und eine entsprechend robuste Achillessehne haben), sind die Seeya ein Traum. Ein Traum, der aus meiner Sicht erstmals vollständig hält, was das Konzept der FiveFingers von Anfang an versprochen hat: ein Gefühl ganz nahe am barfüßigen Laufen, verbunden mit der Sicherheit, auch bei versehentlichem Spitz-Stein-Treffer nicht aus der Bewegung gerissen zu werden. Ideal also für ein Laufstil-Training, das sich nicht von den unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten stören lassen will.
Dieser Artikel ist Teil der Serie Der kleine Laufschuhtest
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