Vogel fliegt, Fisch schwimmt...
Stichwort:

Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft

...soll der große Emil Zatopek einmal gesagt haben. Möglicherweise wollte er damit zum Ausdruck bringen, dass das Laufen für uns Menschen ebenso selbstverständlich sein sollte wie das Schwimmen für die Fische oder das Fliegen für die Vögel (Pinguin und Strauß lachen jetzt).

Tatsächlich laufen die meisten Menschen. Zumindest bis zum Auto. Und dann vom Parkplatz in den Supermarkt. Anschließend mit dem Einkaufswagen durch die Gänge. Dann wieder zurück zum Auto. Schließlich nach Hause.

Sicher hatte Emil was anderes im Sinn, als er seinen berühmten Ausspruch formulierte. Er meinte die Dauerbewegung, bei der man etliche Kilometer zurücklegt und immer mindestens ein Fuß in der Luft ist.

Er meinte sicher nicht das Joggen, jenen schrecklichen Vorgang, bei dem man mit langen Armen und Beinen etwas für sein Herz-Kreislauf-System tut, nicht aber für die Freude an der Fortbewegung.

Und was er schon gar nicht meinte, war die Alibi-Bewegung, die nur dazu da ist, Daten für den eigentlichen Gegenstand des Interesses zu liefern: die digitale Welt.

Ich kenne nicht wenige Menschen, die während des Laufens andauernd ihre Daten analysieren und sich - meist schon bevor sie loslaufen - auf die Auswertung derselben freuen. Laufen als notgedrungen akzeptierte Grundlage für die virtuelle Welt im Kopf?

Nicht nur, dass wir uns damit wirkungsvoll gegen den überwältigenden Eindruck des Einsseins mit der Welt sperren. Viel schlimmer noch: Wir sperren uns gegen die Welt selbst. Gegen die reale, existierende, ergreifende, anstrengende, unsichere, uns im Hier und Jetzt umschließende Welt. Und retten uns in einen kümmerlichen Traum der 500 Facebook-Freunde, der "Gefällt mir-Buttons" und der unausgesetzten Unterhaltung (Unterhalten im Sinne von "etwas unter uns halten", damit wir nicht runter- oder in ein Loch fallen).

Dauernd auf Droge Smartphone: abhängige Zwangshedonisten

Als ich einmal einer Bekannten erzählte, wie schlimm ich den permanenten Griff zum Smartphone finde und dabei als Beispiel Menschen nannte, die auf die Bahn warten, meinte sie: "Was soll denn da dran schlimm sein? Soll ich vielleicht die andern Leute angucken, ist doch voll langweilig."

Hm, dachte ich, wenn wir schon soweit aus der Welt gefallen sind, dass wir sie nur noch langweilig finden, dann wundert es mich nicht mehr, dass wir sie - wissentlich oder unbewusst - zerstören, mindestens aber nichts gegen ihre Zerstörung unternehmen. Wer daran zweifelt, betrachte nur den nicht zu leugnenden Zusammenhang zwischen der Veränderung der Lebensräume durch den Menschen und das dadurch bewirkte Artensterben bei Pflanzen und Tieren.

Aber warum und worüber rege ich mich eigentlich auf?

Solange es auf der Welt noch eine Fabrik gibt, in der genügend Glucose-Fructose-Sirup aus Gen-Mais hergestellt wird, um den Bedarf an billigen Kalorien zu decken, und solange es noch genug Energie gibt, um die Server der Social Networks und die Smartphones der Benutzer zu betreiben, wird es auch Menschen geben, die Spaß am Laufen haben. Und dann stimmt Emils Satz ja fast wieder: Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch denkt, er läuft.

Bis irgendwann die Laufen-App ausgedient hat...

Weiter zum Blog-Artikel: Rhythmus
Zurück zum Blog-Artikel: Ariadnefaden
Nach oben
Die Tagcloud zeigt alle in den Beiträgen markierten Begriffe an, die insgesamt mindestens 25 mal verwendet wurden. Je größer ein Begriff erscheint, desto öfter wurde er insgesamt verwendet.
Die Intensität der Farbe rot zeigt an, wie oft ein Begriff im gerade anzeigten Beitrag verwendet wird.
Der Klick auf einen Begriff führt zur Tag-Suche.
Alle Begriffe sind in der großen TagCloud zu sehen.
achillessehne arm asphalt aufprall ballen barfuß bein belastung bewegung boden bodenkontakt buch chirunning druck dämpfung eis energie erfahrung feder ferse fivefingers form freude fuß fußaufsatz fußsohle fähigkeit füße gefühl gelenk geschwindigkeit gewicht haltung haut heggie hüfte kalt kamera knie kopf kraft körper lauf laufen laufstil leben läufer marathon mensch methode muskel natur neigung reiz rücken sandale schmerz schnee schnell schotter schritt schuh schulter schwerkraft sehne sohle sole runner spaß stein strecke technik tempo training uhr untergrund unterschenkel verletzung vorfuß vortrieb wade wahrnehmung wald wasser weg weich welt wettkampf zehen zeit ziel überlastung
Beiträge
Nach oben