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Was veranlasst einen Kritiker von technischem Schnickschnack, sich eine relativ teure Kamera mit ziemlich vielen Einschränkungen zu kaufen?

Ein Kurzbericht über die neue GoPro Action Kamera HERO3 Black Edition

Linkes Bild: Kamera im Gehäuse. Rechts: beides getrennt.

Bevor ich jetzt gleich ins Detail gehe und damit die Leser vergrätze, die diesen Blog wegen Laufthemen aufsuchen, in aller Kürze meine Motivation für die Anschaffung des seltsamen Geräts.

Wozu nutze ich die Kamera?

Als Auge und Gedächtnis

Über den enormen Weitwikel nimmt die Kamera einen ähnlichen Ausschnitt der Welt auf wie ihn unsere Augen sehen. Und sofern man nicht an der Speicherkarte gespart hat, können selbst bei höchster Auflösung und Bildrate lange Szenen gespeichert werden. Die Kamera als einfaches, mitlaufendes Protokoll. Konkret habe ich vor, mit dem als Zubehör erhältlichen Stirnband-Kamerahalter Läufe von mir aufzunehmen, vielleicht auch mal nen Cross-Wettbewerb.

Als Analyse-Werkzeug

Mit ihren bis zu 240 Bildern pro Sekunde empfiehlt sich die kleine Kamera als "schnelles Auge". Verlangsamt man im Videoschnitt-Programm die Bildfrequenz auf 30 Bilder / Sekunde, erhält man eine 8-fache Zeitlupe, ohne dass das Programm durch Berechnen von Zwischenbildern die Qualität der Aufnahme reduziert. Damit werden Aufnahmen von Läufern möglich, die anders kaum wahrnehmbare Bewegungsdetails erkennen lassen. Gleiches ist auch mit den Serienbildern im Foto-Burst-Modus möglich.

Für Natur-Aufnahmen

Die Möglichkeit, die Kamera fernzusteuern, erlaubt Aufnahmen von scheuen Tieren, die sonst nicht möglich wären. Da die Kamera keine mechanischen Teile hat, g$ibt es auch keine Geräusche beim Ein- und Ausschalten (sofern man die Piepstöne und notfalls auch die LEDs deaktiviert hat). Interessant wäre sicher auch die Befestigung der Kamera an einem Modell-Fluzeug oder -Hubschrauber. Mit ihrem geringen Gewicht wäre das sicher möglich.

Wie sind meine ersten Erfahrungen?

Ich habe die Kamera bereits einmal testweise zu einer 5km-Runde im verschneiten Wald benutzt. Sie war dabei auf einem Fahrrad-Helm befestigt, was nicht nur mit dem Spezialhalter für belüftete Helme geht (ein Zubehör, bestehend aus einer Platte und zwei Gurten, die man durch die Lüftungsöffnungen des Helms zieht), sondern auch mit der Platte, auf der die Kamera in ihrer Verkaufsbox festgeschraubt ist. Mit einem großen Einmachgummi kann man diese Platte, die die meisten Käufer sicher gleich entsorgen, noch gut verwenden (mein Tipp für Sparfüchse).
Das Ergebnis ist leider noch nicht optimal, da der Helm etwas zu locker saß, wodurch die Kamera bei jedem Schritt leicht schaukelte. Das mag zwar in der Karnevalzeit ganz förderlich für die Stimmung sein, der nüchterne Betrachter neigt jedoch dadurch leicht dazu, Symptome der Seekrankheit zu entwickeln. Daher gibts hier noch keine Videos. Von der reinen Aufnahmequalität bin ich jedoch begeistert: man kann den Film an beliebigen Stellen anhalten und hat - anders als bei herkömmlichen Camcordern - keine durch die Bewegung verwischten Bilder. Alles ist scharf und detailreich zu erkennen.
Sobald der Kopfgurt eingetroffen ist und auch das Wetter für schöne Aufnahmen taugt, werde ich die Runde nochmal laufen und ein Video ausschnittsweise zeigen. Ausschnittsweise deshalb, weil das erzeugte Datenvolumen gigantisch ist und man bei den klassichen Videoportalen ja nicht gigabyteweise Videos hochladen kann, zumindest nicht in einer vertretbaren Zeit. Und zu viel Kompression lässt wieder von der Qualität nichts übrig.

Zum Abschluss noch die (un-)Fähigkeiten des kleinen Wunderwerks

Der Zwerg ist ein kleines Kästchen mit leicht hervorstehendem Objektiv. Er hat zwei große und einen kleinen Knopf, eine seitliche Klappe, hinter der Anschlüsse verborgen sind und die Speichercherkarte steckt sowie eine rückwärtige Abdeckung für den Akku. Passend zur Kamera wird ein Schutzgehäuse mitgeliefert, das alternativ mit einer wasserdichten und einer offenen Rückseite versehen werden kann. Die exakte Modellbezeichnung meiner Kamera lautet HERO3 Black Edition.

Was sie nicht kann

Sie kann aber vieles nicht, was ein normaler Camcorder können muss, zum Beispiel:

  • Vorschau oder Darstellung der Aufnahme (es gibt kein Display)
  • Zoom (das Objektiv hat eine feste Brennweite)
  • auf ein Stativ geschraubt werden (es gibt nur einen Hersteller-spezifischen Adapter)
  • Autofokus
  • Verwackeln korrigieren

Was sie kann

Manche Fähigkeiten der GoPro überraschen wirklich, denn man weiß zunächst gar nicht, wofür man diese braucht. Sie verfügt über:

  • Einen großen Aufnahmebereich (Weitwinkel) von ca. 170 Grad
  • 9 Videoauflösungen mit 1 - 4 Bildfrequenzen (minimal 12, maximal 240 Bilder/Sekunde) und 1 - 3 Bildwinkeln
  • 4096 x 2160 Pixeln in der höchsten Videoauflösung
  • 4 Foto-Auflösungen zwischen 12 und 5 Megapixel
  • Einen kontinuierlichen Aufnahmemodus mit 3 - 10 Bildern pro Sekunde, auch in der höchsten Auflösung (solange Auslöser gedrückt und Speicherkarte nicht voll)
  • Einen Foto-Burst-Modus mit zwischen 3 und 30 Fotos in 1 Sekunde, 10 und 30 Fotos in 2 Sekunden und 30 Fotos in 3 Sekunden
  • Zeitraffer mit einem Foto alle 0,5, 1, 2, 5, 10, 30 oder 60 Sekunden
  • Gleichzeitige Video- und Bild-Aufnahme und eine Videoschleife über einstellbare Längen, die bis zum Ende der Akkulaufzeit (mit Stromversorgung über USB daher niemals) immer wieder überschrieben werden (man hat damit immer die letzten 5 / 20 / 60 / 120 Minuten bzw. immer die Länge, die auf die Speicherkarte passt)
  • einen Modus, in dem sie beim Einschalten sofort die zuvor bestimmte Aufnahmeart startet
  • Wireless LAN-Funktionen für die mitgelieferte Fernsteuerung oder Handy/Tablet PC
  • ein Zusatzgehäuse mit belüfteter oder wasserdichter Rückklappe
  • Jede Menge Zubehör, mit dem man die Kamera an allen möglichen Objekten - über ein Stirnband am eigenen Kopf - befestigen kann.

Im Nachhinein (immer wenn man es mal brauchte) kommen einem dann viele Features doch sehr sinnvoll vor und die weggelassenen Fähigkeiten werden kaum vermisst, da sie bei dem Einsatzgebiet der Kamera auch nicht sehr sinnvoll wären. Als Sportbegleiterin soll sie Bilder mit viel Bewegung aufnehmen; ein Display könnte bei voller Konzentration auf die eigenen Bewegungen ohnehin nur von einer zweiten Person betrachtet werden. Mit Zoom kann man auch nur richtig umgehen, wenn man ein Display hat; drei unterschiedliche Bildwinkel lassen sich an der Kamera ja einstellen, je nach Art der Aufnahme. Mehr muss gar nicht sein. Bei fester Brennweite erübrigt sich ein Autofokus und das Verwackeln (im Sinne von Zittern) ist bei dem weiten Aufnahmewinkel ohnehin nicht zu sehen. Einzig der Standard-Stativ-Adapter sollte als Zubehör mitgeliefert werden, denn den braucht man garantiert immer dann, wenn die Kamera mal in fixer Position aufgestellt wird, zum Beispiel bei Tieraufnahmen. Knapp 10 € für das Teil sind schon ärgerlich, bedenkt man den Kamera-Anschaffungspreis von aktuell 449,- €.

Alles in allem macht die kleine Kamera aber jede Menge Spaß, und wenn man sich erst an die "Blindflüge" ohne Display gewöhnt hat, kommen einem die Aufnahmen deutlich einfacher vor als bei herkömmlichen Camcordern.

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