Laufschuhtest: Brooks PureDrift

Bitte ebenfalls die aktuelle vergleichende Beurteilung aller hier getesteten Schuhe lesen!

 

Brooks PureDrift
Ich bin gespannt, ob Brooks nach dem PureDrift nochmals weiter in Richtung Minimal-/Barfuß-Schuh gehen wird oder ob wir das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Der PureDrift - soviel sei schon hier verraten - ist jedenfalls nochmals leichter als das bisherige "Barfuß"-Spitzenmodell, der PureConnect.

  • Gewicht: ca 169g (ohne die ca. 17g schwere Einlegesohle) in Größe 43.
  • Tragekomfort: Der Schuh ist im Vorfußbereich sehr weit; Läufer mit breitem Fuß werden sich freuen, dass ihr Fuß nicht seitlich eingeengt wird. Die asymmetrische Lasche ist eine Fortsetzung des Obermaterials der Außenseite; sie wird vor dem Schnüren unter die Innenseite geschoben. Je nach Enge der Schnürung kann dabei eine kleine Falte entstehen, die aber beim Laufen nicht zu spüren ist. Trotz des weiten Vorfußbereichs lassen sich die Schuhe so binden, dass sie fest am Fuß sitzen, ohne die Beweglichkeit der Zehen einzuschränken. Ich empfinde den PureDrift als bequem. Eine Komforteinschränkung gibt es dennoch, da die Sohle aus unterschiedlich festem Material gefertigt ist (siehe Langstreckeneignung).
    Laut Brooks soll man die sehr dünne Einlegesohle (unten im Bild) herausnehmen, um das Barfuß-Laufgefühl noch zu verstärken. Wie man im Bild sehen kann, ist die Sohle im Vorfußbereich sehr dünn (3mm), so dass Vorfußläufer so gut wie keinen Unterschied spüren, wenn sie die Sohle herausnehmen. Im Fersenbereich ist die Einlegesohle ca. 7mm stark; sicher werden Fersenläufer einen Unterschied in Dämpfung und Sprengung merken, Mittelfußläufer sollten den Unterschied in der Sprengung bemerken (mit Einlegesohle: 4mm, ohne 0mm).
  • Dämpfungseigenschaften: Alle Dämpfung erzeugt der PureDrift aus der Außensohle, die aus 3 (vorne) bzw. 2 (mitte / hinten) Reihen von Gummiblöcken besteht. Direkt darüber kommt bereits die flache Sohle, auf deren Innenseite man mit dem Fuß steht, wenn man nicht die Einlegesohle zusätzlich trägt. Die Dämpfung kann man daher eher als Schutz gegen unangenehmen Boden ansehen. Sofern ganz spitze Steine nicht - was mir aber bereits einige Male passiert ist - zwischen den Blöcken durchstechen - kann man mit den PureDrift auch über geröllige Waldwege laufen. Man muss halt sehen, wohin man tritt!
  • Langstreckeneignung: Vom Obermaterial her sehr gut, es gibt keinerlei Reibestellen. Was den Komfort aber bei Strecken über 15km einschränkt, ist die unterschiedliche Härte der Sohle (gelbe und schwarze Blöckchen). Während die schwarze Leiste vom Kleinzeh bis zur Ferse nur beim Gehen als fester bemerkt wird, habe ich sie beim Laufen nicht störend wahrgenommen, was sicher daran liegt, dass ich auf dem Vorfuß laufe und die Leiste keinen größeren Druck bekommt. Sehr störend habe ich hingegen den schwarzen Bereich unter dem Großzehen-Grundgelenk empfunden, welches durch die wesentlich höhere Festigkeit der schwarzen Blöckchen diesen Bereich des Fußes überproportional belastet. Ich habe zwar gemerkt, dass man sich an diesen härteren Bereich gewöhnen kann (nach einiger Zeit fühlte sich der Fuß erst nach 25km so an wie anfangs bereits ab km15), aber ich muss dringend empfehlen, auf dieses Detail vor dem Schuhkauf zu achten! Mich hat es jedenfalls negativ überrascht.
  • Wettkampfeignung: für Sprint und Mittelstrecke sicher ungeeignet wegen der erhöhten Anforderungen dieser Disziplinen an einen festen Halt, (sicher auch weil er keine Spikes hat). Für Distanzen >= 3.000 m kann ich mir den PureDrift gut vorstellen, da er einen flotten Laufstil unterstützt, vorausgesetzt man benötigt keine wirkliche Dämpfung. An die Marathon-Distanz oder noch längere Strecken würde ich mich wegen der zuvor beschriebenen Komforteinschränkung erst vorsichtig herantasten.
  • Untergründe: Der PureDrift greift auch ohne ausgeprägtes Profil recht gut auf Straßen, Feld- und Waldwegen, auch wenn sie eine schwierige, unebene Oberfläche haben. Bei rutschigem Grund (Matsch) sollte man den Fuß nicht zu weit vom Körperschwerpunkt aufsetzen, um nicht wegzurutschen. Wenn die Wege nass sind, zieht er Wasser, da das nicht wasserdichte Obermaterial an der Vorderseite außen bis unter die Blöckchen gezogen ist.
  • Haltbarkeit: Bislang (ca. 100km gelaufen) noch keine Probleme. Ich bin gespannt, wie lange die weichen Verbindungsstege zwischen den Blöckchen halten.
  • Besonderheiten: die Schürsenkel der PureDrift haben viele kleine Verdickungen, die ein Lösen der Senkel während des Laufens verhindern sollen.
  • Fazit: Wäre da nicht die Sache mit den unterschiedlichen Sohlenbereichen, würde ich den PureDrift uneingeschränkt für Umsteiger in Richtung Natural Running / Barfußlaufen empfehlen. Da mich die harten schwarzen Blöckchen im Ballenbreich speziell unter dem Großzehen-Grundgelenk aber bei längeren Distanzen nerven und ich mich nur langsam an dieses völlig überflüssige Phänomen gewöhnen kann, empfehle ich allen Interessenten - speziell den Vorfußläufern - vor dem Kauf einen längeren Test, am besten auch mal auf dem harten Gehsteig vor dem Sportladen und nicht nur auf dem gut gedämpften Laufband (auf dem ich diese Eigenschaft nicht bemerkt habe).
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