Die Kraft der Steinchen

Wer hätte das gedacht?

Schaut man sich einmal an, wie oft ich im Zusammenhang mit Minimal-Schuhen oder Barfußlaufen von Steinen schreibe (der Button "Tags anzeigen" macht die bereits verlinkten Taggings sichtbar; einfach mal auf einen "Stein" klicken), würde man nie auf die Idee kommen, ich wäre über die kleinen Wegbegleiter erfreut. Meistens betrachte ich sie als Hindernisse, die man besser nicht betreten oder berühren sollte. Dies umso eher, je spitzer oder kantiger sie sind.

Nun, da ich mir durch einen nicht bis zu Ende durchdachten Versuch einer Effizienzsteigerung den Ansatz meiner Achillessehne an der Ferse massiv gereizt habe, möchte ich den Sehnenansatz schützen, um künftigen Reizungen vorzubeugen. Dabei soll mir eine starke Fußmuskulatur behilflich sein.

Weil mir ein Training kaum Spaß macht, wenn es nicht selbst schon Anlass zur Freude ist, sondern nur Mittel zum Zweck, trainiere ich meine Muskeln lieber beim Laufen als mit irgendwelchen Kräftigungsübungen. Und damit mir nicht wieder so ein Missgeschick passiert wie im Absturz beschrieben, wollte ich bei meinen Fußkräftigungen sicher sein, keine falschen Bewegungen zu erlauben oder zu extreme Gelenkwinkel zuzulassen. Wie es der Zufall (der Hauptgrund für den Verlauf unseres Lebens! Denkt mal drüber nach, was wir wären, hätte sich unsere Geburt 200 Jahre früher oder einfach nur auf einem anderen Erdteil ereignet) so wollte, stiegen die Temperaturen in den letzten Tagen an und erlaubten erste Barfuß-Läufchen, natürlich im Wald auf dem üblichen Boden-Mix mit den vielen kleinen Steinchen.

Kurzer Ausflug und wichtige Warnung: die Wiederaufnahme des Laufens ohne Schuhe muss behutsam erfolgen. Ein Leser dieser Site schrieb mir kürzlich, dass er durch das Laufen mit leichten Schuhen (Huaraches, Sole Runner) seine Knie/Hüftschmerzen loswurde, allerdings auf Kosten einer Überlastung der Wadenmuskulatur. Bei einem weiteren Versuch ganz ohne Schuhe mit bewusstem Vorfußlauf (weil seine Ferse mangels Dämpfung durch den Bodenkontakt gereizt war) muss es dann wohl zu einer starken und sehr unangenehmen Reizung der Plantarsehne gekommen sein.

Sollte meine in diesem Blog zu spürende Euphorie für das natürliche Laufen dazu beigetragen haben, zu schnell auf Techniken überzugehen, die man sich nur gaaaanz langsam erschließen sollte, damit unser Körper die Gelegenheit hat, mit Wachstum zu reagieren, so tut es mir wirklich leid, wenn dadurch jemandem ein Schaden entstanden ist. Genau deshalb schreibe ich aber auch Artikel wie den Absturz, damit ich an Stellen, die mir nicht gut getan haben, eine Art Warnboje aufstellen kann. Ob diese dann auch für jeden Leser passend ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Bitte daher die nachfolgenden Zeilen unter dem Aspekt sehen, dass das Beschriebene mir, dem Autor gut getan hat, weil es ein Problem löst, das ich mit einer freiwillig und bewusst gewählten Technikänderung selbst geschaffen habe!

Ich fing also an, ganz langsam auf bewusst weich aufgesetztem Fuß zu meinem Wald zu laufen (ca. 750m bis zur Waldgrenze). Schon nach diesem ersten Stück, für das ich ca. 5 Min brauchte, merkte ich, wie unangenehm und doch noch kalt der Boden eigentlich war. Im Wald selbst war der Boden sogar noch leicht feucht, was den Eindruck von Kälte noch verstärkte. Da mir das Oberflächen-Gefühl in der Fußsohle langsam schwand (in tieferen Schichten war von den Steinchen nur ein dumpfer Schmerz zu spüren, so wie wenn beim Zahnarzt die Spritze noch nicht ganz wirkt), beschloss ich umzukehren. Zu Hause angekommen, dauerte es ca. 15 Minuten, bis sich die Sohle wieder normal anfühlte. Vorsichtigerweise durschte ich nur mit lauwarmem Wasser.
Meine Reizung an der Ferse war jedoch nicht zu spüren. Kein Wunder, denn mein Lauf war ja auch nur sehr kurz. Mit jeweils einem Tag Pause startete ich in den nachfolgenden Tagen mehrmals zum Wald und dehnte die Strecke immer mehr aus, denn die Sohle lernte wieder schnell, mit dem zunächst als sehr unangenehm empfundenen Untergrund zurechtzukommen.

Inzwischen kann ich an aufeinanderfolgenden Tagen wieder ohne Schuhe ganze 5km-Runden im Wald laufen und merke, wie ich auch schon wieder schneller werde. Dennoch liegt mein Haupt-Augenmerk derzeit auf dem Training der Fußmuskulatur und dem weichen, aus eigener Kraft gedämpften Aufsatz. Ich berühre dabei mit der Fußaußenkante nahe des Kleinzehengrundgelenks den Boden zuerst, dann folgt der ganze Ballen; sanft setzt dann die Ferse auf und erst jetzt - mit stabilem Stand - nutze ich die Spannung der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur zum Abstoßen. Es ergibt sich dabei ein sehr sanftes Laufen, welches eine sehr kontrollierte Erhöhung des Drucks erlaubt und genügend Reaktionszeit bietet, wenn sich unter dem Fuß mal ein zu spitzes Steinchen befindet. Diese Art des Laufens fühlt sich einfach mit Abstand am besten an, und ich bin mir sicher, dass sich meine Füße auf diese Weise wieder im Sinne des Aufbaus von Kraft und Stabilität zu dem entwickeln, was von der Natur vorgesehen ist. Ich muss aber auch zugeben, dass die Winterpause mit dem Laufen in wärmenden und die Sohle schützenden Schuhen - so dünn sie auch immer sein mögen - ein anderes Laufen bewriken. Ein Laufen, das nicht immer nahe genug an unseren natürlichen Gegebenheiten ist und daher keinen vollständigen Schutz gegen Verletzungen bietet.

Mag sein, dass ich jetzt wieder einen sehr radikalen Entschluss fasse, den ohne guten Grund nachzuahmen ich nicht empfehlen werde, aber ich werde ab sofort und bis auf weiteres: außschließlich barfuß laufen.

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