Langsamkeit

Dass Schnecken sich nicht verletzen, wenn sie über Rasierklingen gleiten, liegt weniger am Schneckengleitschleim als daran, dass sie den Druck nicht senkrecht auf die scharfe Kante der Klinge bringen. Sie gleiten vielmehr an der einen Wand der Klinge hoch, umspielen unglaublich geschickt die scharfe Kante der Klinge und lassen sich auf der gegenüberliegenden Seite wieder heruntergleiten.

Die Langsamkeit der Schnecke ist der Tatsache geschuldet, dass sie den gleitenden und jederzeit bewussten, klebenden Kontakt zum Untergrund braucht, sonst könnte sie auch nicht senkrecht an Wänden emporsteigen. Schnecken sind keine Sprinter, aber sie sind extrem geschickte "Fortbeweger" und meistern Hindernisse wie kaum eine andere Tierart (eigentlich sind sie ja gar keine Art, sondern nur eine Klasse aus dem Stamm der Weichtiere, dem auch so prominente Vertreter wie die Tintenfische - wer erinnert sich nicht gerne an Hellseher-Krake "Paul" - angehören).

Warum erzähle ich hier von Schnecken, wo diese sich doch von uns in so wichtigen Aspekten unterscheiden?

  • Sie tragen ein Haus - wir nur ein Handy.
  • Sie schleimen immer - wir nur beim Chef.
  • Sie haben Fühler - wir nur Gefühle.
  • Sie fressen unseren Garten - wir fressen sie.
  • Sie platzen, wenn wir auf sie treten - wir auch, aber nur vor Ärger über den Schleim am Schuh.
  • Sie sind sehr heterogen gestaltet - wir nicht, auch wenn das die grenzdebilen Rassisten nicht begreifen.
  • Sie sind langsam - wir sind schnell!
Hm, der letzte Punkt gibt mir zu denken. Was wäre, wenn wir zur Vermeidung von Verletzungen ebenfalls mal vom Gas gehen würden?

Und schon bin ich wieder bei meinem Lieblingsthema, dem Laufen ohne Schuhe. Da mein Lieblingsrevier ein nahe gelegener Wald ist, dessen Wege wegen der Motor-getriebenen Rückepferde mit Schotter befestigt sind, laufe ich Gefahr, meine Knochen zu verletzen, wenn ich zu heftig auf die Steine trete.

Hier kommt nun die Langsamkeit ins Spiel: so lange der Fuß genügend Zeit hat, auf den Untergrund fließend zu reagieren und sich um die Steinkanten herumzuformen, kann ebensowenig passieren wie bei der Schnecke auf der Rasierklinge. Ich habe mir daher das sanfte und selbst bei Stille nicht hörbare Auftreten angewöhnt und merke, wie gut es den Knochen des Fußes tut, keinen härteren Stoß mehr zu bekommen. Inzwischen fühlen sich meine Füße schon 10 Minuten nach dem Lauf wieder so gut an wie vorher, und ich bin jetzt bereit, meine Strecken deutlich zu verlängern.

Und dann gibt es ja auf meiner 5km Waldrunde auch ein paar hundert Meter ohne Schotterbefestigung (dort wo der Weg zu schmal ist für Forstfahrzeuge). Auf diesen Abschnitten und auf einem ca. 600m langen Weg mitten durch eine Wiese auf dem Weg nach Hause laufe ich schneller. Ich will ja schließlich die Power der Schnecken nutzen, ohne gleich selbst eine zu werden.

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