Meine kleine Laufschule - Einführung

Eine META-Laufschule

Als der Tausendfüßler gefragt wurde, wie er es schafft, seine vielen Beine zu koordinieren, um eine derartig fließende Bewegung auszuführen, dachte er lange nach und versuchte sich dann mit einer Erklärung. Als er merkte, wie unverständlich diese für seine Zuhörer war, wollte er seine Bewegungen langsam vorführen, um sie erklärend zu demonstrieren. Dabei verhaspelte er sich so sehr, dass er keinen Zentimeter mehr vorwärtskam.

Mit unseren Laufbewegungen verhält es sich ähnlich: wir haben zwar nur zwei Beine, aber die vielen Muskeln und Gelenke, die an der Laufbewegung mitwirken, können nahezu unendlich viele Bewegungsmuster erzeugen, von denen nur die wenigsten geeignet sind, uns elegant und kraftsparend zu befördern. Dazu kommen noch die üblicherweise weniger im Zentrum der Betrachtung stehenden Arme, Schultern und Hüften, ohne deren Mitwirken eine effiziente Bewegung nicht möglich ist. Wir werden später sehen, dass ihnen sogar eine entscheidende Rolle beim Laufen zukommt.

Was bringen wir mit?

Wir sind üppig ausgestattet mit Rezeptoren, die uns mit Informationen versorgen über Gelenkwinkel, Muskelbewegung und -spannung, Beschleunigung, Gleichgewicht sowie unsere sicht- und hörbare Umgebung. Sie liefern uns Zug-, Druck- und Schmerzdaten und melden uns Temperaturen, Feuchtigkeit und vieles mehr. Ohne diese Daten wären wir nicht in der Lage, uns flexibel an äußere Bedingungen anzupassen. Wir könnten weder den Umfang unserer Bewegungen wahrnehmen noch angemessen auf deren Auswirkungen reagieren. Ein dynamisches Gleichgewicht (der unser Gewicht tragende Fuß des Standbeins rast viel schneller als wir laufen unter uns durch) wäre einfach nicht möglich!

Die Grenzen bewusster Steuerung

Das Missgeschick des Tausendfüßlers trifft auch uns ganz schnell, wenn wir versuchen, mittels bewusster gedanklicher Einflussnahme in die Steuerung der Bewegungen einzugreifen: indem wir Teilaspekte dieses außerordentlich komplexen Zusammenwirkens herausgreifen und tendenziell überbetonen, vernachlässigen wir Wahrnehmung und Steuerung anderer Aspekte und kommen über mäßige Lösungen nicht hinaus.

Und wie nähern wir uns dem Ziel?

Die Antwort liefert uns Teil eins, das erste systematische Training, mit dem wir arbeiten werden:
"Besser Laufen" von Jack Heggie. Es baut darauf auf,

  • in einer ablenkungsfreien Haltung - meistens im Liegen - das richtige Zusammenwirken von Muskeln und Gelenken zu erspüren,
  • die richtigen Bewegungsmuster neuronal zu verankern und
  • die gelernten (und sich gut anfühlenden) Muster in der Praxis - beim Laufen - anzuwenden.

Nach den 30 Tagen mit ihren 11 aufeinander aufbauenden Lektionen sind wir in der Lage, körpergerecht zu laufen. Unsere Bewegungen arbeiten harmonisch zusammen und entsprechen den Gegebenheiten unserer Muskeln, Sehnen und Gelenke.

Das Gelernte vertiefen und festigen

Teil zwei der Laufschule beschäftigt sich damit, das Gelernte zu variieren und es unter immer schwierigeren Bedingungen einzusetzen. Zunächst in einer Weise, die geeignet ist, die Ausführung zu unterstützen und bewusster zu erleben, dann immer mehr unter erschwerenden Bedingungen, die eine Beurteilung der Robustheit der Ausführung erlauben.

Ist schön körpergerecht auch schön schnell oder fehlt uns dann immer noch was?

Teil drei der Laufschule hat einen starken Fokus auf der Optimierung der Bewegungen unter Energie-Effizienz-Gesichtspunkten. Wir werden untersuchen, wie die Physik (Haltung im Lot: wunderbar bei Danny Dreyers "ChiRunning" beschrieben; Ausnutzen der Spannung von Sehnen und Muskeln: gut bei Nicolas Romanovs "Pose Method" beschrieben) optimal ausgenutzt werden kann.

Zur besseren Lesbarkeit ist die Laufschule in allen Abschnitten farbig unterteilt in:

Einen einleitenden Theorieblock, der erläutert, worum es in der jeweiligen Lektion geht.

Einen praktischen Übungsteil, der
entweder den Rahmen bildet für das Durcharbeiten eines meiner bevorzugten Laufstil-Bücher,
oder Übungen vorgibt, die in einem gewissen zeitlichen Rahmen absolviert werden sollen.

Einen Block mit Tipps, wie das Gelernte am einfachsten umzusetzen ist oder worauf man besonders achten sollte.

Mit diesem Artikel beginnt die Serie Meine kleine Laufschule
Weiter zum nächsten Artikel der Serie: Meine kleine Laufschule - Teil 1: Sensibilisierung
Nach oben
Die Tagcloud zeigt alle in den Beiträgen markierten Begriffe an, die insgesamt mindestens 25 mal verwendet wurden. Je größer ein Begriff erscheint, desto öfter wurde er insgesamt verwendet.
Die Intensität der Farbe rot zeigt an, wie oft ein Begriff im gerade anzeigten Beitrag verwendet wird.
Der Klick auf einen Begriff führt zur Tag-Suche.
Alle Begriffe sind in der großen TagCloud zu sehen.
achillessehne arm asphalt aufprall ballen barfuß bein belastung bewegung boden bodenkontakt buch chirunning druck dämpfung eis energie erfahrung feder ferse fivefingers form freude fuß fußaufsatz fußsohle fähigkeit füße gefühl gelenk geschwindigkeit gewicht haltung haut heggie hüfte kalt kamera knie kopf kraft körper lauf laufen laufstil leben läufer marathon mensch methode muskel natur neigung reiz rücken sandale schmerz schnee schnell schotter schritt schuh schulter schwerkraft sehne sohle sole runner spaß stein strecke technik tempo training uhr untergrund unterschenkel verletzung vorfuß vortrieb wade wahrnehmung wald wasser weg weich welt wettkampf zehen zeit ziel überlastung
Beiträge
Nach oben