Zusammenfassender Laufschuh-Vergleich

Ein Laufschuhtest ist immer eine Momentaufnahme:

  1. der getestete Schuh wird bald durch ein verändertes Modell ersetzt
  2. der Tester ändert seine Einstellung zum Laufschuh
Gerade der zweite Punkt trifft für meine Laufschuhtests zu. Ein Beispiel:
Den Nike Free 3.0 habe ich im Mai 2010 getestet, als ich bereits 5 Jahre in Free Modellen (zunächst 5.0) gelaufen bin, aber noch kaum Erfahrungen mit anderen leichten Laufschuhen hatte. Mir fiel daher nicht auf, wie dick der Schuh unter dem Gewölbe ausgeformt ist, denn in dieser Hinsicht ähnelt er "normalen" Laufschuhen mit Pronationsstütze.
Später - als mein Fuß durch Barfußlaufen und noch leichtere Schuhe kräftiger geworden war - kam mir das dicke Mittelteil der Sohle sehr störend vor, da sie das Gewölbe am Arbeiten hinderte. Den Free würde ich heute für das Ziel, mit dem er angepriesen wird ("Kraftraum für die Füße"), als verfehlt ansehen, mindestens im Vergleich zu flacheren, flexibleren, leichteren Schuhen. Für den ersten Übergang von dicken Kayanos zum natürlicheren Laufen kann er noch durchgehen, aber hierfür gibt es deutlich bessere Kandidaten, die auch ohne tief gekerbte Sohle auskommen, in die sich dauernd Steinchen setzen.

In diesem Sinne kommt hier die aktuelle Einschätzung aller von mir getesteten Modelle, speziell im Hinblick auf das Ziel "Natürliches Laufen".

Modell Bild Eignung für "Natural Running
Aqua Sphere Beachwalker XP Zum Zeitpunkt des Tests kannte ich die Sole Runner noch nicht, weshalb ich die Beachwalker als ernsthafte Alternative für Barfußläufer empfohlen habe. Heute weiß ich, dass die Sole Runner - bis auf den Preis - in jeder Hinsicht besser sind: sie liegen besser am Fuß an und sind trotzdem weicher; die Sohle ist dünner und trotzdem präziser; der Sole Runner ist leicher als der Beachwalker.
Also: keine Empfehlung mehr für den Beachwalker, es sei denn man hat heftigste Budgetprobleme!
Brooks PureConnect Die PureConnect sind ein guter Übergang auf dem Weg zum natürlichen Laufen, da sie zwar noch eine Dämpfung haben, aber dem Fuß nicht alle Beweglichkeit nehmen. Sie haben auch genügend Platz für die Zehen. Für den fortgeschrittenen "Natural Runner" sind sie aber zu schwer und auch noch zu fest, wie ich 18 Monate (und etliche Natural-KM) später feststellen kann.
Brooks PureDrift Im Test hatte ich von den härteren schwarzen Gummiblöckchen der Sohle berichtet. Da ich inzwischen noch ein wenig stärker auf dem Vorfuß laufe und dabei auch die Pronationsbewegung deutlich mitmache (das meint: ich lasse mein Fuß-Längsgewölbe für den Vortrieb arbeiten), fällt mir die unterschiedliche Härte kaum noch auf; sie stört mich jedenfalls nicht mehr. Auf der anderen Seite genieße ich das weiche Obermaterial und die flexible Sohle, in die sich trotz deutlicher Lücken doch eher selten Steinchen setzen (s.u. Nike Free). Wenn ich auf gerölligem Grund (ausgewaschene, steinige Waldwege) schnell unterwegs sein möchte, nehme ich den PureDrift sehr gerne. Auch wenn die Strecken länger als 20 KM sind.
Den PureDrift kann ich mit gutem Gewissen all denen empfehlen, die noch etwas Schuh-ähnliches am Fuß tragen wollen (also keine Fivefingers oder Luna Sandals), aber dennoch ein ganz weiches, nie unpräzises, aber doch gegen spitze Steine geschütztes Laufgefühl haben möchten.
Luna Sandals Die Luna Sandals sind noch immer meine Lieblinge für Temperaturen über 5 Grad und trockene Verhältnisse. Die getesteten Modelle sind ja leider wie beschrieben ausgerissen, aber ich habe mir weitere Modelle - auch mit unterschiedlicher Sohlendicke - selbst gebaut, mit denen ich auch heute noch hoch zufrieden bin.
Für alle Läufer, die dem Fuß zwar einen Schutz gegen unangenehme Untergründe geben möchten, ihn aber sonst arbeiten lassen wollen, sind die Luna Sandals eine richtig tolle Lösung, wenn man es schafft, sich an die Schnürung zu gewöhnen. Dies ging bei den hier getesteten Lederbändchen ganz schnell, bei den von mir selbst gebauten Schuhen habe ich mit Synthetikbändern gearbeitet, die zwar sehr haltbar sind, aber auch wegen ihrer geflochtenen Struktur eine Reibung erzeugen, an die man sich erst gewöhnen muss. Ich muss es aber deutlich sagen: das ist ein hausgemachtes Problem, das ich nur deshalb habe, weil ich kein Leder verwenden will.
Und noch eins: die Bauweise der Luna Sandals hat eine lange Tradition, was auf eine ausgereifte Konstruktion schließen lässt. Alle anderen Schuhe bringen Konstruktionen mit, die die Hersteller nicht in Jahrhunderten reifen lassen konnten. Der Markt hat gar keine Zeit für das Perfektionieren von Lösungen!
Merrell Embark Glove An dem harten Fersenmaterial habe ich mir auch länger nach dem Test bei Strecken über 10 KM immer wieder Blasen gelaufen, was mir die Freude daran, dass man mit dem Merrell auch im härtesten Gelände bestehen kann, völlig vernichtet hat. Es reicht nicht aus, Dämpfung und Sprengung wegzunehmen, um einen Schuh in der Kategorie "Natural Running" herzustellen, es muss auch eine Flexibilität der Sohle dem Schuh die freie Beweglichkeit lassen, und die ist beim Merrell nicht der Fall.
Ich kann den Schuh wegen seiner Härte (Ferse -> Blasen und Sohle -> mangelnde Flexibilität) nicht empfehlen!.
Wenn ich einen Gelände-geeigneten Schuh unter den hier getesteten habe, so kommt der Vibram FiveFingers Lontra diesem Ziel viel näher!
Mizuno Wave Universe 3 An meiner Einschätzung des Mizuno hat sich seit dem Test nichts geändert. Zwar vermittelt er nicht - wie die Luna Sandals oder auch die FiveFingers - ein richtiges Barfuß-Laufgefühl, er ist aber so leicht und flexibel, dass Fuß und Unterschenkel frei arbeiten können.
Wer also einen extrem leichten Schuh sucht, der einem gut trainierten Fuß-/Wadensystem einen Schutz gegen kleinere Steinchen verleiht, ist mit dem Mizuno gut bedient, wenn er in Kauf nimmt, dass der Mizuno zwar gut am Fuß sitzt, aber keinen stützenden Halt gibt und sich auch bei Nässe schnell vollsaugt. Wer mehr Schutz gegen Steine braucht und ein etwas höheres Gewicht akzeptiert, greift zum Brooks PureDrift.
Newton Neutral Racer Vom Newton habe ich mich inzwischen getrennt, weil ich ihn wegen seines technologischen Ansatzes nicht mehr mag und weil es eine Reihe von Schuhen gibt, die das Ziel des Newton bei geringerem Gewicht und weniger Technikeinsatz (= zu günstigerem Preis) mindestens ebenso gut erreichen. Ich halte die Idee, eine Federwirkung im Schuh zu implementieren, die nur dann optimal ist, wenn genau die Gummiblöckchen unter dem Ballen getroffen werden, inzwischen sogar im Hinblick auf eine Förderung der natürlichen Fähigkeiten des Fußes für kontraproduktiv. Der Fuß holt seine Federwirkung aus dem gesamten Gewölbe und wirkt über die Beugung des oberen Sprunggelenks aktiv an der Federwirkung der Achillessehne mit. Dies alles benötigt einen Schuh, der alle Bewegungen fließend mitmacht und nicht einen Unterschied im Sohlenverhalten aufweist, je nachdem wo er belastet wird. Der Newton ist eine typische Kopfgeburt, die zunächst genial wirkt, aber bei näherer Betrachtung wesentliche Aspekte natürlicher Funktionalität außer Acht lässt.
Eine Empfehlung für den Newton kann ich aktuell nicht mehr geben!
Außerdem fand ich mit zunehmender Entwicklung meines Barfuß-Laufvermögens (= absolut keine Sprengung) das dicke Fersenteil und das im Vergleich zu fast allen anderen hier getesteten Schuhen hohe Gewicht als sehr störend!
Nike Free 3.0 Der Free hat in meiner Gunst einen heftigen Niedergang erlitten, was an der Relativität seiner Vorteile gegenüber anderen Schuhen liegt. Waren es zunächst die im Vergleich zu herkömmlichen Laufschuhen hohe Flexibilität und das geringe Gewicht, die bei mir eine Begeisterung für das Free Konzept bewirkten, so sank der Free beim Erscheinen von Natural Running Schuhen anderer Hersteller immer mehr in meiner Wertschätzung. Hauptaspekte meiner Kritik sind die dicke Pronationsstütze unter dem Gewölbe (siehe Einleitungstext oben) und die Flexkerben, die sich gerne im Gelände mit kleinen Steinen zusetzen und dadurch den Schuh versteifen. Außderdem empfand ich - wiederum im Vergleich zu anderen leichten Schuhen - das Gewicht dann doch als eher hoch, so dass ich inzwischen den Free als Natural Running Schuh nicht mehr empfehlen kann.
Wer heute einen leichten Natural Running Schuh (klassische Form) möchte, ist mit dem PureDrift oder dem Mizuno weitaus besser bedient. Wer es extrem leicht und flexibel mag, greift zum Sole Runner oder zum Vibram Seeya, aber für diese Modelle sollte der Fuß schon eine gewisse natürliche Robustheit (zurück)gewonnen haben!
Sole Runner FX Trainer Die Sole Runner haben sich in meiner Einschätzung im Test (Januar 2012) nicht verändert. Wer einen Schuh sucht, der maximales Barfuß-Gefühl garantiert und dabei gegen rauhe Untergründe (nicht gegen groben Schotter) schützt und den Fuß auch ein wenig gegen Kälte isoliert, ist mit dem Sole Runner wirklich bestens bedient. Schnell an- und auszuziehen, komfortabel und mit viel Platz ausgestattet, ist er nach wie vor meine erste Wahl für Läufe in zu kalter Witterung und auf zu rauhem Terrain, um barfuß laufen zu können. Der Sole Runner verdient, womit Nike für seinen Free wirbt: "ein Kraftraum für die Füße". Nach wie vor eine uneingeschränkte Empfehlung für alle Läufer, die es sehr "natural" wollen, ohne gleich ganz ohne Schuhe zu laufen. Außerdem lässt sich der Sole Runner (zumindest das von mir getestete Modell) durch Rein- und Rausschlüpfen schneller an- und ausziehen als alle anderen getesteten Schuhe.
Vibram FiveFingers Flow TREK Die Flow TREK gibt es nicht mehr im Handel; ggf. sind noch einzelnen Exemplare als Restposten erhältlich.
Daher würde ich für den Einsatzzweck "Laufen mit beweglichen Zehen mit gutem Griff bei kalten Temperaturen eher die Lontra Modelle empfehlen (s.u.)
Vibram FiveFingers KSO Die KSO haben von allen hier getesteten Vibram FiveFingers die weichste Sohle. Ein spürbares Profil mit Grip und unterschiedlicher Dicke/Härte ist nicht vorhanden, so dass beim Laufen auf steinigen Untergründen eine große Nähe zum Barfußlaufen entsteht. Wer es darauf anlegt, hat mit den KSO einen leichten Schuh, der den Zehen ihre Beweglichkeit nicht nimmt und dennoch einen Schutz gegen Verletzungen der Fußsohle bietet. Im Vergleich zum Seeya allerdings wirkt der Schuh schwerer und auch ein wenig träge, da der Seeya an den richtigen Stellen auf Material verzichtet und auch sonst deutlich leichter konstruiert ist.
Vibram FiveFingers Lontra Der Lontra ist der Winterstiefel unter meinen FiveFingers. Er wärmt am meisten und hat auch die festeste Sohle, was ihn für wilde Trail-Läufe bei nass-kalter Witterung prädestiniert. Ich trage ihn nicht sehr oft, weil es bei meinen Läufen selten so extrem zugeht. Falls aber doch mal, dann bin ich froh, ihn zu haben. Für ein sehr natürliches Laufgefühl hat der Lontra zu wenig Flexibilität, aber als schützender "Minimal-Schuh" in extremen Bedingungen kann ich ihn empfehlen.
Vibram FiveFingers Seeya Der Seeya hat mir beim München Marathon 2012 viel Freude bereitet. Er ist extrem leicht (leichter sind nur noch die Mizuno und natürlich die Luna Sandals) und gibt dem Läufer ein absolut freies Laufgefühl. Von all meinen FiveFingers ist er der "barfüßigste", weshalb ich ihn oft trage und gerne empfehle. Lediglich bei Nässe bietet er kaum Schutz (hier bleiben sogar die Sole Runner wegen der hochgezogenen Gummierung eher trocken).
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